Der Pferdemarkt – wie ein Pferd kompetent angeboten wird

Durch eigene Pferdeverkäufe, den persönlichen Pferdekauf und die Suche nach dem richtigen Pferd für einige meiner Kunden, bin ich regelmäßig in den diversen Pferdeverkaufsportalen unterwegs.

Zur Zeit ist es mal wieder besonders schlimm mit den Verkaufsanzeigen, weswegen ich gerne den folgenden Blogbeitrag verfassen möchte. Neben den Anzeigen, beschäftige ich mich hier auch etwas mit den zum Angebot stehenden Pferden.

Die Anzeige

Fangen wir mit der Anzeige an. Wie verkauft man etwas am Besten? Sicher nicht über ellenlange Texte, die anstrengend zu lesen sind. Was Aufmerksamkeit erweckt, das ist eine visuelle Darstellung dessen, was angeboten wird. Auf gut Deutsch heißt das, die Anzeige lebt vom ersten Bild.

Im Weiteren möchte der Betrachter und potenzielle Käufer dann erfahren und bewerten, was er da gegebenenfalls kauft. Heißt gerade bei Pferden kommt es darauf an, in einer Anzeige den aktuellen Zustand der angebotenen Ware möglichst gut und richtig darzustellen.

Die weiteren Aufnahmen der Anzeige zeigen dem potenziellen Käufer also, wie das Pferd so läuft, ob es gerade Beine hat, welche Exterieurmängel vorhanden sind. So kann der Käufer abwägen ob er dieses Pferd später einmal überhaupt geritten bekommt, oder das Tier eventuell schnell krank sein wird. Dazu aber später mehr.

Die Wahl der richtigen Fotos!

Der Fokus der Anzeige liegt ergo auf den Fotos. Genau hier werde ich selbst immer innerlich ganz zappelig, wenn ich dann Anzeigen durchforsten und da keine gescheiten Aufnahmen sind, auf denen man beurteilen kann, was ein Pferd bietet.

Worauf kommt es an?

© Xenia Faiss

Als erstes sollte das Anzeigenbild aus einer Aufnahme bestehen, die den Betrachter fesselt. Also ein hübsches Portraibild in dem die glänzenden Knopfaugen aufmerksam in die Kamera und direkt in das Herz des Betrachters blicken.

© Xenia Faiss

Das nächste Bild sollte dann das Exterieur von der linken Seite zeigen. Perfekt wird ein Pferd präsentiert, wenn die Vorderhand geschlossen steht und die Hinterhand mit dem zum Betrachter hingewannten Hinterbein leicht offen. Notfalls geht es auch komplett geschlossen. Bei Fohlen wie im Beispielbild ist auch das Exterieur der Eltern interessant!

Das nächste Bild zeigt dann ebenso dargestellt am besten noch die rechte Seite des Pferdes.

Wer es richtig vorbildlich macht, der stellt folgend noch ein Bild von genau hinten und ein Bild von vorne ein. So lassen sich Schiefe und Beine gut beurteilen. Am besten wird alles auf geradem Beton fotografiert. Anders als im Beispielfoto, sollte das Pferd den Kopf gerade halten!

© Xenia Faiss

Als Abschluss folgen dann noch Bewegungsaufnahmen. Diese sollten auch von genau seitlich gemacht werden und so ein reelles Bild des Bewegunsmechanismus abbilden.

Zu guter letzt kann man dann noch Bilder anhängen, die zeigen wie super cool ein Pferd ist, oder wo es schon auf Show war usw.

Die größten Fehler

Immer wenn ich „grusel“ Anzeigen betrachte, nervt es mich mittlerweile, wenn ich einfach nicht erkenne kann, was mir da angeboten wird. Deshalb komme ich folgend auf die größten Fehler zu sprechen.

Die zuvor gezeigten Aufnahmen eignen sich für eine Anzeige nur bedingt. Während man auf dem ersten Bild zwar sieht, dass das Pferd an der Hand gearbeitet ist, eignet sich der Aufnahmewinkel von leicht hinten überhaupt nicht, um mehr zu erkennen. Selbst die Schrittphase wirkt plump und unelegant. Schöner ist es, den Schritt im maximalen Vorgriff des Vorderbeines abzulichten und auch die Handhaltung am Gebiss, Kappzaum, Zügel, würden mich hier interessieren. Das zweite Foto zeigt den großen Buben zwar schön von vorne, aber es ist sehr dunkel und die Beine und deren mögliche Defizite sind schwer zu erkennen. Eine gute Belichtung auf geeignetem Untergrund und vor ruhigem Vordergrund ist immer von Vorteil!

© Susann Weihrauch

Diese Aufnahme eignet sich sehr gut als Aufhänger und somit erstes Bild der Anzeige. Es sieht ganz hübsch aus und das Pferd hat einen freundlichen Blick. Dieses Bild hat einen gewissen Immenhofflair und ich nutze es sogar als Blogbeitragsstartbild! Für mehr beim Pferdekauf, ist diese Aufnahme jedoch nicht geeignet!

© Michelle Sophie Brussa

Auf den ersten Blick zeigt dieses Bild alle Körperteile des Schimmelwallachs. Man erkennt den Zustand der Hufe, kann auch den Kopf schön beurteilen und sieht schonmal etwas vom Rücken. Durch den von oben aufgenommenen Winkel und den verdrehten Stand des Pferdes, kann man jedoch Muskulatur und Exterieur nicht gut beurteilen. Steht das Pferd wirklich so in der Hinterhand heraus, oder ist dies nur dem verdrehten Hals geschuldet? Bei Bildern für Anzeige sollte immer darauf geachtet werde, das Pferd gerade aufzustellen.

© Shara Fährmann

Auch bei dieser Aufnahme des Scheckens ist, der meiner Meinung nach, schlimmster Fehler von allen passiert. Viele Verkäufer versuchen wenigstens ein Bild von der Seite anzuhängen, jedoch sehen diese zumeist so aus wie das Foto des Scheckens. Die Vorderhand steht näher an der Kamera, wie die Hinterhand und das Pferd wurde doch noch minimal schräg fotografiert. Dieser Aufnahmewinkel kann genutzt werden um gewisse Gebäudemängel ganz geschickt zu verstecken. Den meisten Verkäufern passiert das unbewusst, doch manche Züchter nutzen diese Täuschung ganz gezielt. Die Pferde wirken so oft kürzer und weniger überbaut. Auch eine kleine Rückständigkeit der Vorderbeine kann so versteckt werden. Ebenso wird teilweise die Hinterhand näher zur Kamera gestellt, damit die Kruppe trainierter und runder wirkt. Nur der geübte Betrachter erkennt dann noch die Mängel und wer von uns kauft schon so regelmäßig Pferde ein, dass er da wirklich Routine hat?

Worauf erkennt man was?

© Shara Fährmann

Auf dieser Aufnahme erkennt man ein wunderschönes, dunkelbraunes Pferd, das im Trab dahinschwebt.

Naja…nicht so ganz! Der geübte Betrachter kann aus diesem Bild herauslesen, das dieses Pferd nicht 100% in der Balance steht. Das Pferd zeigt eine leichte Taktverschiebung, die man am noch nicht vollends vom Boden abgefußten Hinterhuf erkennt. Alle anderen Hufe sind bereits in der Schwebe. Das Pferd bringt vermehrt Schubkraft und weniger Tragkraft mit sich, was natürlich ein Reiter berücksichtigen muss. Wer noch nicht so gut Reitet, der wird hier schnell Probleme bekommen und das Pferd nicht korrekt gesunderhalten können.

Weiterhin trägt das Pferd seinen Rücken nicht gut. Der Rist und der Bug hängen, es reißt den Hals hoch, um die Schulter irgendwie aus dem Boden zu ziehen. Auch gut erkennbar am Axthieb vor dem Wiederrist. Dieses Pferd ist kein absolutes Anfängerpferd. Wer noch nicht gut Reitet, der sollte hiervon seine Finger lassen, oder in sehr viel guten Unterricht investieren und das muss vor dem Kauf immer reflektiert bewusst gemacht werden.

© Shara Fährmann

Obenstehend eine wirklich gute Aufnahme für eine Anzeige. Der Fuchs wurde genau seitlich fotografiert, vorne mit geschlossenem Beinpaar, hinten leicht geöffnet. So stellt man seit vielen Jahren die Zuchtpferde auf, um sie zu präsentieren und das aus gutem Grund. Die Rückenlinie wird so etwas aufgespannt und gezeigt, ob ein Pferd im Reck steht. Also ob die Beinpositionen, die Halsung, die gesamte angespannte Oberlinie harmonisch und gesund sind. Bei dem Fuchs erkennt man so gut, dass dieses Pferd Gebäudemängel aufweist. Die Hinterhand steht nicht gut unter der Kruppe, das Becken ist flacher gewinkelt als die Schulterlinie (die Winkelung sollte nahezu gleich sein) und schiebt demnach gegen die Schulter. Das Pferd kann den Rücken gar nicht richtig aufwölben, selbst wenn es das wollte. Demnach hängt der Rücken, die Schulter ist nicht am langen Rückenmuskel, dem Trapezius etc. aufgehängt und sackt nach unten weg. Folglich kippt das Pferd leicht vorne über und die Rückständigkeit der Vorderbeine lässt sich erklären. Außerdem der kleine Axthieb und der leicht rausgedrückte Untethals. Auch wenn dieses Pferd das liebste auf der Welt sein sollte, so ist es für einen Anfänger schwer, das Exterieur in den Griff zu bekommen und das Pferd gesund zu erhalten.

© Shara Fährmann

Auch diese Aufnahme eignet sich sehr gut für eine Verkaufsanzeige eines gerittenen Pferdes. Die Trabphase ist gestreckt, zeigt den maximalen momentanen Raumgriff und gibt ein reelles Bild über das momentane Reitniveau. Man kann erkennen, dass dieses Pferd in den Beinpaaren ungleich tritt. Die Hinterbeine laufen in einem kleineren Bewegungsmaß, wie die Vorderbeine, tragen also weniger Last. Daraus ergibt sich auch die geringe Taktverschiebung. Beachtet man jedoch, dass das Pferd hier von einem Kind präsentiert wird, kann man davon ausgehen, dass ein guter Reiter dieses Pferd einfach und gut taktrein geritten bekommt. Ebenfalls bietet sich das Pferd sehr gut an, tritt an die Hand heran und streckt sich ins Gebiss ab. Bei verbesserter Lastaufnahme, wird der Schecke seine Schulter noch etwas besser anheben können und die Anomalie vorm Wiederrist verschwindet. Ein nettes Pferdchen, das auch von Anfängern zu reiten ist (wenn das Interieur stimmig ist).

Fazit

Beim Erstellen einer Anzeige sollte man also die Bilder mit Bedacht wählen. Stellt man nur lauter verwackeltes, schiefes und schräges Zeug ein, melden sich weitaus weniger potenzielle Käufer, weil das Interesse schlicht nicht geweckt wird. Auch muss man als Verkäufer bedenken, dass schlechte Aufnahmen stets den Eindruck erwecken, dass man etwas verstecken möchte!

Der Text in einer Anzeige ist immer zweitrangig, trotzdem sollten dort wichtige Infos wie Alter, Geschlecht, Größe, Preis, Standort zu finden sein. Ein bisschen „Blabla“ wie lieb und nett der Goldschatz ist darf natürlich auch dazu, aber bitte nicht zu viel!

Zu guter letzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass sich die Zuchtziele in Deutschland seit Jahrzehnten ins negative verändern. Bei nahezu jedem Pferd findet sich eine Rückständigkeit, ein zu flaches Becken, tragunfähiges Fundament, das häufig zu sehr ins Schieben gerät und dementsprechend eine fast schon angeborene Trageerschöpfung. Für uns Reiter bedeutet das, dass selbst der nicht ambitionierte Freizeitreiter stetig am Gebäude seines Pferdes arbeiten und es positiv manipulieren muss. Enormes reiterliches Vermögen wird nötig und gerade Freizeitreiter, die mit die größte Sparte der Reiterei aus machen, bringen dieses nicht wirklich oft mit. Ohne reiterliches Gegenwirken treten andernfalls bei den heutigen Pferden sehr schnell erste Verschleißanzeichen auf. Demnach ist es auch nicht mehr einfach heutzutage gut geeignete Anfängerpferde zu finden. Diese müssen eine gewisse Grundstabilität mitbringen, damit der Anfänger lernen kann, ohne das Pferd zu verschleißen. Stabilität ist hierbei auch keineswegs mit Masse gleichzusetzen! Nur weil ein Pferd breit, massiv oder im Kaltbluttyp gebaut ist, sind vor allem gerade diese Pferde oft nicht stabil, ausbalanciert oder Gewichtsträger!

Da es sowieso schon eine Mamutaufgabe ist, demnach ein gutes Pferd für seinen Reitschüler zu finden, wäre es doch wenigstens erfreulich, wenn die Verkaufsanzeigen reell gestaltet sind und man schnell und solide bewerten kann, was für eine Qualität man geboten bekommt.

Da die Nachfrage auch stets das Angebot bestimmt, ist es wichtig, dass die Käufer beginnen auf oben besprochenen Dinge wieder mehr Wert zu legen! Nur dann wird sich das Zuchtziel auch wieder verbessern! Gebäudemängel sind nämlich sehr wohl ein Grund für eine Wertminderung!

Natürlich lieben wir alle auch unsere schiefen und mit Mängeln behafteten tierischen Freunde, aber gesunde Freunde machen doch nochmal um einiges mehr Spaß!

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