Militärsättel in der Neuzeit

Der Ein oder Andere mag vielleicht schon mitbekommen haben, dass ich ein großer Freund von Militärsätteln aus vergangenen Tagen bin. Hier zeichnet sich aber keineswegs nur meine Sammelleidenschaft für Antikes ab und im folgenden Blogbeitrag möchte ich heute die unterschiedlichen Modelle und die Vorteile zu modernen Sätteln aufführen.

Ein Militärsattel ist ein Relikt aus vergangenen Tagen, in denen Disput und Krieg den Alltag der Menschen bestimmten, dennoch ist es ein Gegenstand, der in keinem Reiterinventar fehlen sollte.

Pferde waren vor allem in den letzten beiden Weltkriegen, essenziell für die Fortbewegung der Truppen und das Überleben eines Soldaten. Der Ausfall eines Pferdes war eine Katastrophe und somit wurden die Kavalleriepferde wie zarte Pflänzchen behandelt und gehegt. Nebst der Packordnung für Gepäck, die Vermeiden sollte, dass ein Pferd einseitig oder schief belastet wird, gab es erfahrene Pferdedentisten, Hufschmiede, Sattler und Pferdemeister, die die Tiere regelmäßig genau begutachteten. Oft legten die Pferde mit Gepäck und Reiter diverse Kilometer durch unwegsamen, nasses und gefährliches Gelände zurück und ein unpassender Sattel wäre undenkbar gewesen. Die berittenen Divisionen der Armee, auch Kavallerie genannt, wurden daher mit speziellen Sätteln in allen möglichen Epochen ausgestattet. Neben dem harten Gebrauch des Militärsattels, blicken die Designer dieser Sattelmodelle auf eine jahrhundertelange Erfahrung im Sattelbau zurück. Vor allem die Preußen hoben die Kavalleriereiterei auf ein gänzlich neues Level und noch heute beeinflusst die extrem erfolgreiche ostpreußische Pferdezucht (Trakehnen) von damals unsere jetzigen Warmblüter.

Kleiner historischer Exkurs

Barocksattel mit vorderer und hinterher Galerie, keiner Pausche, geradem Blatt und flachem Sitz.

Im Mittelalter verwendeten Ritter barocke Modelle mit vorderer Galerie und Hintergalerie, sowie einem geraden Sattelblatt ohne Pauschen. Über die Jahrhunderte hinweg entwickelten sich unterschiedliche Typen von Bocksätteln, bis letztlich 1889 der erste Sattel im damaligen Deutschland eingeführt wurde, der den heutigen englischen Sätteln ähnlich sah.

Was für Sättel gibt es?

Es gibt unzählige Modelle aus allen Ecken und Enden der Welt. Schweizer, italienische, russische, polnische, französische und letztlich natürlich auch deutsche Militärsättel.

Der Einfachheit halber beschäftige ich mich im Weiteren mit den deutschen Modellen, da diese in unseren Breitengraden am einfachsten zu beziehen sind.

Bis 1889 verwendete die Armee in Deutschland zumeist Bocksättel mit Überwurfdecke (Atilleriesattel 76), die die Hilfengebung extrem erschwerten, wenig Halt boten und somit die Ausbildung der Soldaten am Pferd zu einer Kunst machten.

Um den Soldaten bessere Grundbedingungen zu verschaffen, die im Kampf oft über Leben und Tod entschieden, kamen die ersten Sättel auf den Markt, die im englischen Stil aufgebaut waren. Die Armee führte einen Trachtensattel ein, der mit Filz dick gepolstert war und das Gewicht des Reiters optimal auf das Pferd übertrug. Ein englisches Sattelblatt mit Hinterzwiesel anstelle einer Galerie und einem hölzernen, tallierten Sattelbaum, waren die größten Neuerungen. Dieser 1889 eingeführte Militärsattel, erhielt die Bezeichnung „Ameesattel 89“. Die Armeesättel werden übrigens mit einen speziell gefalteten Wolldecke, dem Woilach, als Sattelunterlage geritten.

Armeesattel 89 mit 5cm Filzpolster, englischem Blatt mit Pausche und typisch tiefem englischen Sitz/Sattelbaum aus 1904 auf einem Woilach.

Der Armeesattel 89 ist heute noch häufig in eBay Kleinanzeigen zu entdecken und weißt die typischen Metallösen auf, an denen die Packtaschen, der Futtersack, der Karabiner oder auch der Säbel befestigt wurden.

Ein solcher Sattel ist komplett zerlegbar in seine Einzelteile, was den Austausch defekter Teile ermöglicht. Die Pflege des Sattels wird so außerdem extrem einfach.

Das Innere des Sattels besteht aus einem aus Holz hergestellten Sattelbaum. Dieser wird mit Leinen ummantelt und verkleistert. Beim Kauf eines Militärsattels ist es wichtig zu prüfen, ob diese Ummantelung noch in Takt ist. Sie schützt den Baum vor Holzwurmbefall und Wasserschäden. Ebenfalls muss geprüft werden, ob der Baum gebrochen ist, oder sich durch unsachgemäße Lagerung verzogen hat. Dank der komplett abnehmbaren Lederteile, ist das aber in nicht einmal 5 Minuten selbst zu bewerkstelligen. Die Gurtstrupfen sind auf einer Lederplatte angebracht. Alle Riemen und Ösen sind vor dem Reiten zu prüfen und bei Schäden auszutauschen.

Die Vorderen Ringe sind für die Vorderpacktaschen (mit Überwurf) und den Mariahilfsriemen gedacht, die hinteren Schnallen auf den Trachtenkissen dienen der Gepäckbefestigung, oder dem Einfädeln des Hintergeschirrs. Der seitliche linke ovale Ringe am Sitz erfüllt den Zweck der Befestigung des Gewehrs, rechts erfolgt die Befestigung des Degens an einem D-Ring unterhalb des Sitzes. Einige Modelle weisen auf beiden Seiten einen ovalen Ring auf. Diese Sättel sind für den Transport der Kabeltrommel gedacht. In den Ringen wird die Halterung der Kabeltrommel eingehakt. Letztlich kann aber auch am rechten ovalen Ring der Säbel montiert werden.

Foto: Romane Adlung / Frankreich

Ein Armeesattel 89 kommt wie zuvor bereits erwähnt, mit dicken Filzpolstern einher und ist nicht veränderbar in der Polsterung. Hier muss in der Neuzeit mit einer Wolldecke (hier mehr zum Woilach) geholfen werden, oder mit polsterbaren Schabracken. Positiv am Filz ist, dass er unglaublich druckverteilend wirkt und in Kombination mit den Trachtenkissen, die Auflagefläche eigentlich keine Druckspitzen aufweisen kann. Natürlich muss auch der Filz begutachtet und gegebenenfalls von einem Sattler ersetzt werden, wenn die Filzpolsterung zu stark malträtiert ist.

Ein Militärsattel des Modells 89 hat eine Auflagefläche von ca. 53cm. Ähnlich eines Westernsattels kann ein Trachtensattel aber etwas über die maximale Auflagefläche des Pferdes hinausragen, da im hinteren Bereich zumeist etwas weniger Druck ankommt und der Druck um einiges besser verteilt ist, als bei französischen, oder Bananenkissen. Lediglich die Hüfte sollte in Biegungen nicht an die Trachte heranragen und natürlich gilt: „Je länger die Sattelauflagefläche des Pferdes, desto besser liegt der Militärsattel!“.

Einige Atmeesättel besitzen außerdem Stempelungen am ledernen Hinterzwiesel oder am Hinterzwiesel des Sattelbaums. Zahlen von 1-5 geben hierbei die Sattelbaumweite an.

Stempel des Armeesattels 89 – Prägung des Jahres, ab 1904 und die Sattelgröße 1. H9 könnte für die Heersbezeichnung oder den Hersteller stehen.

Die Sattelgrößen sind folgenden Pferdetypen zugeordnet:

  • 1 ist für schmale Pferde im Vollbluttyp
  • 2 für normale Pferde
  • 3 für breite Pferdetypen
  • 4 für sehr breite Pferde
  • 5 für rundrippige Zugpferde im Kaltbluttyp

Sättel in der Größe 1-3 sind häufig zu finden und gut für unsere heutigen Reitpferde (& Ponys) zu nutzen. Die Größen 4 und 5 sind eher selten und passen meiner Erfahrung nach nicht mal richtig auf schwere Pferde. 5 ist so breit, dass die heutigen Kaltblüter darin versinken. Gut zu wissen für Pferdebesitzer, die noch ein wirklich, wirklich breites Pferd haben! Die Sattelgröße gibt nicht die Sitzgröße an und erteilt ebenfalls keine Auskunft über die Länge der Auflagefläche. Alle Militärsättel haben einen 18″ Sitz und sind zwischen 52 und 56cm lang je nach Polsterung.

Auch Herstellerstempel und Wehrheer Siegel finden sich auf einigen Armeesätteln. Die Stempel entscheiden nicht selten über den Preis eines Modells. Siegel aus der Zeit von 1939 bis 1945 sind besonders begehrt, allerdings gibt es auch Sättel die ein besonders hohes Alter in gutem Zustand aufweisen, die ebenfalls teuer gehandelt werden.

Ein weiteres Modell ist der Armeesattel 25. Er wurde 1925 im deutschen Militär eingeführt und ersetze langsam den Armeesattel 89. Funktionstüchtige Sättel warf man allerdings nicht weg und so wurden auch 1943, zum Piek des Zweitenweltkriegs, im deutschen Reich noch Armeesättel 89 verwendet.

Armeesattel 25 von 1940

Der Atmeesattel 25 erhielt zu seinem Vorgänger einige Änderungen. Das Bild des optimalen Reitersitzes hatte sich weg vom Stuhlsitz, hin zu einem klassischen, geraden und gestreckten Dressursitz gemausert. So rutschte die Steigbügelaufhängung etwas nach hinten und der Armeesattel 25 veranlasst einen nun weniger in den Stuhlsitz zu fallen. Auch die Kissen wurden verändert und man stieg auf polsterbare, mit Pferdehaar gestopfte Kissen um. Leider haben einige Sattler es zu gut gemeint und die Kissen so voll gestopft, dass sie heute steinhart sind. Die Pferdehaare Klumpen auch ganz gerne mal und es gibt harte Spitzen in der Polsterung. Auch die Zeit hat ihren Beitrag geleistet und oft müssen die Kissen mit neuer Sattelwolle umgepostert werden, wenn man den Sattel zum Reiten nutze möchte.

Die Machart des Sattelbaums blieb identisch. Holz mit Leinen umklebt. Die Gurtstrupfen sind nun nicht mehr auf eine Lederplatte genäht, sondern an fest an den Baum genieteten Metallringen angebracht. Auch die Packtaschenringe am Sattelblatt wurden nun auf das Sattelblatt genietet und nicht mehr mit einer Lasche durch das Sattelblatt hindurch befestigt. Dies vereinfacht das Anheben des Blattes und somit das Verstellen der Steigbügelriemen und des Sattelgurtes. Die Pausche wurde etwas länglicher und schmaler, während das Sattelblatt eine Vielseitigkeitsform bekam und der Sattel somit geländetauglicher wurde. Die Schnallen auf den Trachten haben Lederlaschen erhalten, die das Klappern der Schnalle unterbindet.

Beim Armeesattel 25 legen Kenner und Sammler besonders Wert auf eine Stempelung der Wehrmacht. Das Siegel bescheinigt die Tauglichkeit des Sattels für die Kavallerie und bestätigt den Sattel als Eigentum der Wehrmacht.

Sitzgrößenstempel 1 und Herstellerstempelung, sowie dem WaA136 Prüfstempel mit Reichsadler und HK.

Bei einem Sattel mit der Reichsadlerstempelung kann man sich sicher sein, dass er von den Truppen im 2. Weltkrieg verwendet wurde, was die Wertigkeit ungemein steigert.

Da man zu Kriegszeiten natürlich das vorhandene Material aufbrauchte und nicht in einer Wegwerfgesellschaft lebte, gibt es auch Hybriden aus Armeesattel 89 und 25.

Mein folgender Sattel besitzt eine Armeesattel 89 Basis mit durchgeschobenen und durchschlauften Packtaschenringen am Sattelblatt, sowie einer nach vorne versetzten „Stuhlsitz-„Steigbügelriemenaufnahme. Die Kissen sind allerdings schon befüllbare vom Armeesattel 25 und ebenfalls sind die Gurtstrupfen schon mit angenieteten Ringen befestigt. Weiterhin finden sich die alten Packringe am hinteren Teil.

Der oben gezeigte Armeesattel ist 1915 von Carl Busse in Mainz hergestellt worden und war sowohl im 1. Weltkrieg, als auch im 2. Weltkrieg im Einsatz. Schon bereits ausgegebene Sättel wurden nicht erneut mit dem Reichsadler gestempelt, auf Grund der „neuen“ Anbauteile ist ein Einsatz nach 1925 wahrscheinlich. Da in Kriegszeiten sämtliche Resourcen in die Armee flossen, haben nur Militärbestände Erneuerungen erhalten, was ebenfalls für den Einsatz im 2. Weltkrieg spricht.

Warum jeder Reiter einen Militärsattel haben sollte!

Nachdem obenstehend nun die wichtigsten Modelle erklärt wurden, möchte ich kurz auf die Vorzüge eines Armeesattels eingehen.

  1. Die riesige Auflagefläche macht den Sattel enorm angenehm für die Pferde.
  2. Der breite Wirbelkanal drückt nicht auf die Wirbelsäule.
  3. Auf langen Strecken schont die große Auflagefläche das Pferd und hält es lange fit für die Distanz. (Ein lahmer Kavalleriegaul wäre des Soldaten Tod gewesen!)
  4. Eignet sich besonders gut für Übergangszeiten, wenn kein Sattel recht passen mag.
  5. Die harte Sitzfläche (von manchem als „unbequem“ beschrieben), ermöglicht ein extrem ruhiges Sitzen.
  6. Der Sattel lässt Fehler nicht ungesühnt und korrigiert den Reitersitz automatisch. Lernen durch Schmerz!
  7. Der tiefe Sitz bietet so viel Halt wie kein anderer Sattel.
  8. Man sitzt nah am Pferd, gute Hilfengebung.
  9. Guter Sattelschwerpunkt (gute Reiterbalance)
  10. Die Sättel mit ihren Standardgrößen, passen auf diverse unterschiedliche Pferde.
  11. Zum Einreiten von hüpfenden Jungpferden sehr gut geeignet, da der Sitz einen gut „festhält“ und die Modelle auf viele unterschiedliche Pferdetypen passen.
  12. Viele Packringe für Gepäck bei Wanderritten.
  13. Der Armeesattel 25 ist vom Sattler anpassbar, wie jeder andere Sattel.
  14. Ein Stück Reitkultur

Das waren nur einige der wichtigsten Vorzüge, warum man ein kleines Sammelsurium an unterschiedlich weiten Armeesätteln haben sollte.

Für mich persönlich ist die große Auflagefläche und die geringe Belastung des Pferdes besonders wichtig. Nach anfänglichen Problemen beim Reiten, habe ich auch den „Sitzkomfort“ zu schätzen gelernt! Egal ob Armeesattel 89 oder 25, ich komme mit beiden Sitzvarianten gut klar und liebe es, dass der Sattel ein direktes Feedback gibt.

Armeesattel 25 auf meinem 1,50m Reitponywallach mit 47cm Auflagefläche.

In Kombination mit einem Woilach entsteht unter einem Armeesattel keinerlei Reibung zwischen Pferd und Material. Die gefaltete Wolldecke nimmt jegliche Reibung auf und die Schichten der Decke bewegen sich aufeinander. Das entlastet das empfindliche Bindegewebe und verhindert effektiv Scheuern.

Gibt es Nachteile?

Wie jeder Sattel, ist auch der Armeesattel nicht unfehlbar!

Kein Sattel passt wirklich unangepasst auf ein Pferd und so muss auch der Armeesattel von einem Sattler angepasst werden. Einmal angepasst (zumeist mit ⅕ der zuvor vorhandenen Originalfüllung), kompensiert der Armeesattel viele Veränderungen des Pferdes. In Kombination mit einem fachgerecht gefalteten Woilach kann das Pferd enorm ab- und aufmuskeln, ohne dass der Sattel Probleme macht. Die gigantische Auflagefläche macht dies möglich. Kommt die Sattelgröße 1 irgendwann an ihr Ende, passt meiner Erfahrung nach eine Größe 2 problemlos. Natürlich muss auch dieser Sattel dann „weicher“ gepolstert werden.

Es gibt wirklich Pferde, die zu kurz für einen Militärsattel sind. Hier kann der beste Sattler nichts machen und es bliebe nur, die Trachten kürzen zu lassen, was dann zusätzlich zum Kaufpreis etwas Geld kostet. Bei uns passt aber sogar der Armeesattel 89/25 Hybrid auf meinen Norweger mit 38cm Auflagefläche. Mein Sattler hat einfach die Polsterung im hinteren Bereich ausgedünnt und somit liegt der Sattel im hinteren Bereich nicht mehr mit viel Druck, beziehungsweise gar nicht mehr auf.

Norweger Toffy mit 38cm Auflagefläche mit seinem Armeesattel.

In meinen Augen hat der Armeesattel nur 2 richtige Nachteile. 1. Ist er recht schwer im Vergleich zu normalen Sätteln, 2. Gibt es sie nur in 18″ Sitzgröße und schmale Frauen sehen im Sattel verloren aus (man fühlt sich aber zum Glück nicht verloren).

Ein guter Sattler bekommt einen Militärsattel angepasst. Die Meisten haben nur schlichtweg keine Lust auf solche Sättel. Da verdient man nicht so viel dran, wie am Neuverkauf.

Worauf muss ich achten, wenn ich einen Militärsattel kaufe?

Wer sich für ein Stück Reitkultur entschieden hat, sollte nun ein paar Dinge beachten:

1. Lederbeschaffenheit: am Leder lässt sich auch auf Fotos gut erkennen, in welchem Zustand der Sattel ist. Ein dunkelbrauner Sattel wurde totgefetter. Man sagt, dass zu viel Öl das Leder „verbrennt“ und es dunkel macht. Auch Risse und eine zu helle Lederfarbe sind nicht gut. Das Leder ist zu trocken und hart und spröde geworden. Ein schönes Rotbraun ist genau richtig! Gibt es Löcher? Geflickte Stellen? Wie sehen die Ledernähte aus?

2. Prüfe den Sattelbaum: gerade wenn man den Sattel noch zum Reiten nutzen möchte, ist es wichtig zu sehen, ob der Sattelbaum beschädigt ist. Ein gebrochener Baum taugt nichts mehr zum Reiten. Ebenso ist es wichtig die geklebte Leinenummantelung zu prüfen. Diese muss den Holzbaum gänzlich umschließen, sonst besteht die Gefahr von Holzwurmbefall oder Wasserschäden. Zu guter letzt muss man prüfen, ob der Baum durch Wasser, Benutzung oder falsche Lagerung verzogen ist.

3. Gurtstrupfen und Riemen: ein Blick auf die Gurtstrupfen verrät nicht nur etwas über das vorliegende Modell. Gerade die Gurtung wird beim Reiten größer Belastung ausgesetzt und darf nicht defekt sein. Fehlt eine von drei Gurtstrupfen ist das nicht so schlimm. Ein Sattler kann für ungefähr 20 Euro eine neue anbringen und man kann notfalls auf die zwei anderen ausweichen. Sind alle Strupfen in extrem schlechter Verfassung, sollten sie getauscht werden. Schön ist es, wenn das Mariahilfsriemchen noch vorhanden und in Takt ist. Das hat etwas von Originalität! Sind Steigbügelriemen dabei, dann muss man auch diese auf ihre Tauglichkeit prüfen. Teilweise sind originale und gestempelt Steigbügelriemen, sowie echte Bügel ein kleines Schmankerl, dass den Sattel wertiger macht.

4. Metallteile prüfen: damit man alle Ringe und Ösen auch nutzen kann, muss man prüfen, ob diese denn überhaupt noch funktionieren. Eine leichte Rostpatina ist ok, aber es darf nichts abgebrochen sein. Anhand der Ösen lassen sich auch die Modelle gut unterscheiden. Sind beim Armeesattel 25 die Lederlaschen an den Trachtenschnallen noch da? Oft ist eine oder beide abgerissen, das ist eine enorme Wertminderung! Auch die vorderen Packtaschenringe wurden gerne abgeflext. Das ist sehr traurig für den Sattel, schränkt die Funktion des reinen Dressur- und Springreitens aber nicht ein.

5. Die Kissen: wer seinen Sattel zum Reiten nutzen möchte, sollte besonderen Wert auf die Sattelkissen legen. Sie sollten nicht an den Nähten aufgerissen sein, oder Löcher haben. Flicken und Verfärbungen sind ok. Je besser die Kissen sind, um so schöner! Filzkissen sind toll, wenn man weiß, dass ein Sattel der Größe 1-5 wirklich genau auf sein Pferd passt. Filz lässt sich im Nachhinein nicht vom Sattler aufpolstern. Ich persönlich reite super gerne auf Filz, aber es ist schwierig, wenn das Pferd Zwischengrößen hat.

Intakte, gute Sattelkissen mit Originalfüllung. Nicht zu hart, nicht zu weich, ohne Löcher, Flicken oder Verfärbungen.

6. Stempel: ob ein Sattel irgendwelche Stempel hat oder nicht ist für seinen Nutzen nicht abträglich. Wer einen Sattel möchte, der auch etwas Wert ist, oder gewisse Infos zu seinem Sattel in Erfahrung bringen möchte, der muss im Vorhinein genau den Sattel absuchen.

Woher bekomme ich einen Militärsattel und was kostet mich das?

Auf eBay, Quoka und eBay Kleinanzeigen finden sich diverse Angebote für Militärsättel. Auch in speziellen Facebookgruppen kann man fündig werden.

Preislich liegen solche Sättel zwischen 65€ und 650€. Manchmal weiß der Verkäufer nicht, was er da gerade verscherbelt und manchmal denkt der Verkäufer er hat einen Schatz gefunden und verhökert Schund für viel zu viel Geld.

Wer diesen Blogbeitrag aufmerksam gelesen hat, kann alleine heraus finden, was gut, dringend nötig und nicht so wichtig für einen Armeesattel ist. Ein gutes Stück der Größe 1-3 findet man für ca 250 Euro. Größen wie 4-5 werden etwas teurer, bei um die 400 Euro gehandelt. Wer Zeit in die Pflege investiert, der kann manchmal auch einen Schnapper für 85 Euro machen. Armeesättel 25 kosten mehr als Armesättel 89.

80% der Verkäufer wissen nicht welches Modell sie verkaufen und worauf es ankommt.

Ein Armeesattel mit allen Originaltaschen und Zubehör kann gerne auch mal mehr kosten als 650 Euro.

Weitere nützliche Infos:

Damit ihr vollends beraten seid, hier noch einige Infos, um den Militärsattel herum.

Zaumzeug 22, Sielengeschirr 25 in Kombination mit halbem Sattel und den Packtaschen 34 sowie ein Armeesattel 25 mit vollständigem Sielengeschirr 25 und Zaumzeug 22.

Der zugehörige Zaum zum Armeesattel 25 heißt Zaumzeug 22 und die richtigen Packtaschen sind die Packtaschen 34. Für den Armeesattel 89 heißt die zugehörige Trense „Zaumzeug 88“. Außerdem gibt es Kombinationsmöglichkeiten mit Zuggeschirren wie dem Sielengeschirr 25. Berittene Fuhrwerke waren zu Kriegszeiten nicht selten. Das Handpferd war hier rechts eingespannt, das berittene Zugpferd links.

Ein Woilach hat die perfekte Größe für einen Militärsattel, wenn er 2,05m x 2,10m groß ist. Er wird wie folgt gefaltet: Skizze folgt

5 Antworten auf „Militärsättel in der Neuzeit

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  1. Schöner Artikel. Doch du schreibst oft von dem Prototypen 89, der 1989 verwendet wurde. Da waren zum Glück schon lange keine militärischen Pferdetruppen unterwegs. Das muss 1889 gewesen sein. Der Fehler ist dir im oberen Teil mehrmals unterlaufen.
    Viele Grüße

  2. Hallo,
    ich bin auf diesen tollen Artikel gestoßen. Ich liebe die Militärsättel und habe schon einige besessen und einer wartet auch heute noch auf seinen Einsatz. Ich bin untröstlich, auf meinem neuen Pferd liegt er leider wie eine Brücke auf! Ich hoffe, das wachstumsbedingt Veränderungen noch dazu führen, diesen tollen Sattel zu nutzen. Er passte bis jetzt echt auf jedes Pferd. Ich bin jahrelang damit Distanzen geritten. Habe den 3 und den 4 er Baum da. Das ist ja das tolle. Man kann austauschen.
    Auch die Filz- Liebe teile ich! Alles Gute für euch!

  3. Der Artikel ist sehr informativ. Insgesamt findet man nicht soviel wirklich fundierte Informationen für die deutschen Kavallerie Sättel 89 und M25. Es gibt noch eine sehr gute Abhandlung in einem Wanderreiter Forum wo auch sehr auf den modularen Aufbau der Sättel eingegangen wird. Das wars dann aber auch schon. Leider findet man kaum wirklich Informationen nach welchen Kriterien man im Vorfeld die benötigte Größe für sein Pferd bestimmen kann, natürlich könnte man sich rantasten und mehrere Sättel ausprobieren. Allerdings sind wirklich brauchbare Exemplare eben auch nicht wie Sand am Meer verfügbar. Auch eine Ferndiagnose ist bei Internet Käufen nicht möglich. Ob der Baum verzogen, morsch oder wurmstichig und der Sattel somit nur noch Dekoration ist läßt sich nur durch unmittelbarer Sichtprüfung beurteilen. Ansonsten ist es Glücksspiel. Ich würde mir bessere Tipps zum bestimmen der Größe wünschen. Derzeit suche ich einen M25 für eine Hannoveraner Stute mit 1m72 Stockmaß, mittelhohem Widerriss und Kammerweite 32 (geschätzt)
    Ich tendiere zu Sattelgröße 4 beim Modell M25.
    Tipps / Hinweise sind erwünscht und willkommen .

  4. Sehr schön und hilfreich
    Eine wurmlochfreien Sattel zu finden ist gar nicht so einfach. Oft wurden die Sättel innerhalb der letzten 80 Jahre an Plätzen ( Sattelkammer, Keller, Dachböden, Garagen etc) die leider keinen echten Schutz gegen den Holzwurm bieten. Einen M25 in Gr3 mit einigen Wurmlöchern habe ich. Wie stark die Textur des Holzes geschädigt ist kann man nur vermuten. Guten Gewissens damit reiten würde mir schwer fallen. Da auch der Rest des Sattels nicht unbedingt im
    Bestzustand werde ich mich wohl doch besser nochmal nach einrm besser erhaltenen Exemplar umsehen.

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