Nachdem ich nun 4 Jahre selbst GHOST-Sättel vertrieben habe und damit alle meine Pferde ausbilde und reite, geht nun eine Ära zu Ende. Durch meine Vollzeitstelle und mehrere Selbstständigkeiten und dem dadurch resultierenden Zeitmangel, aber auch durch die Regression von GHOST selbst.
Viele Jahre empfand ich das GHOST-System nun als das absolute Non-Plus-Ultra für Pferd und Reiter. Anpassbar, vollflexibel, bei sehr guter Stabilität, Wirbelsäulenfreiheit (WSF) und Druckverteilung. Für den Freizeitbereich, wo keine Baumsättel von Nöten sind, ein absolutes Muss und eine prima Lösung für das leidige Thema Sattelodysee. Die Pferde – egal ob ich von meinen eigenen spreche, oder von Reitschülerpferden – haben sich durchweg unter dem GHOST toll entwickelt und fantastische, stabile und belastbare Rücken entwickelt.

Das Preisleistungssystem bei GHOST war phänomenal! Das Geld das man zahlte für das Paket an positiven Aspekten, war unschlagbar. Der GHOST Sattel vereint maximale Flexibilität mit maximal möglicher Stabilität und ermöglicht dem Pferd sich vollkommen ungestört und frei zu bewegen, während der Reiter in den Genuss von Stabilität und Sicherheit kommt. Die Basis mit ihrer ausgeklügelten Aufbauart und den absolut frei klettbaren und dicken Sattelkissen halten die Wirbelsäule zuverlässig frei und ermöglich ein spontanes und sofortiges Reagieren bei wachstumsbedingter oder muskulärer Veränderung des Pferdes. Mein persönliches Highlight waren stets die austauschbaren Sitzflächen. Die Basis mit den auf das Pferd eingerittenen Klettkissen blieb die identische, während man ruckizucki aus dem Endurancesattel einen Barocksattel für den nächsten Lehrgang machen konnte. Die Sitzfläche war in 5 Minuten tauschbar und man hatte einen ganz neuen Sattel für gerade einmal ungefähr 500 €. Bei anderen Sattelsystemen bedeuten zwei Sättel nicht insgesamt 2000€ sondern eher das doppelte an finanzieller Belastung! Als vielseitiger Freizeitreiter, der in alle möglichen Sparten hineinschnuppert, wirklich ein großer Pluspunkt dieser Sitzflächentausch.


GHOST ist ein Unternehmen, das mehr als 20 Jahre besteht und trotzdem stetig versucht innovativ zu bleiben. Es werden neue Sattelmodelle entwickelt, Materialien getauscht und auch das Basissystem an sich wird überarbeitet. Leider, so wie ich finde mit zuletzt mehr Rückschritten, als Fortschritten.
Neben den neuen Sitzmodellen, die nicht mehr tauschbar mit den alten Basen sind und die alle ihre eigene ganz individuelle Basis bekommen haben hielten flexible Basen in Form von Semiflexxbasis und Flexxbasis Einzug in die Produktpalette. Nebst der Verwirrung der Verbraucher durch drei unterschiedliche (mit den Cavallin-Pads sogar vier) Basen, verlor das Basissystem auch einen seiner größten und für GHOST sprechenden Vorteile. Die neuen Flexxbasen sind nicht nur flexibel, sondern eher als hyperflexibel (ähnlich der modernen Sportpferde) zu bezeichnen. Die adäquate Gewichtsverteilung geht durch die enorm hohe Flexibilität verloren. Punktueller Druck, den GHOST bisher sehr zuverlässig vermied, wird nun zu einem alt bekannten Problem wie zum Beispiel bei Pads, Fellsätteln, Barefoot oder Freeform.

Die neuen Flexxbasen können auf Grund ihrer wenige steifen Bauart auch keine Durckverteilung mehr gewährleisten. Diese Basen sind deutlich schnell eingesessen und liegen dann besser am Pferd, jedoch lassen sie den Druck auch punktueller nach unten hindurch. Sowohl den Druck der Steigbügelaufhängung, als auch den Druck durch das Reitergewicht und die spitzen „Poknochen“. Bei den Flexxbasen kann ergo absolut keine Rede mehr von einem Sattel sein! Die Gewichtsverteilung ähnelt eher der eines gemeinen Reitpads und ist deshalb keineswegs mehr geeignet für das Springen, oder lange Wanderritte! Natürlich kann sich das Pferd noch freier unter den Flexbasen bewegen, da absolut kein Druck mehr verteilt wird und sich die Schulter und die Lende wie von einem Sattelpad bedeckt anfühlen, aber letztendlich kommt am tiefsten Punkt im Rücken auf kürzester Fläche der meiste Druck an und am Ende kann die Wirbelsäule hier nicht mehr frei schwingen und rotieren und der GHOST Sattel mit Flexxbasis (egal ob Semi oder Flexx) verfehlt vollkommen seine Wirkung.
Die Flexxbasis ist meiner Meinung und Erfahrung nach gerade mal so noch für Reiter bis 40kg geeignet und somit nur noch als Kindersattel, oder als Pad für kurze Einheiten geeignet. Natürlich spürt der Reiter etwas mehr vom Pferd, jedoch haben bereits bei der Standarbasis viele Reiter Probleme mit dem „bouncyeffect“, der von der ohnehin schon hohen Flexibilität des GHOST Sattels her rührt und dass der Reiter mit dem wenigen Abfedern der Pferdeenergie konfrontiert wird. Die Alte Basis war ein perfekter Mix aus Stabilität und Flexibilität und bot dem Reiter Halt, während das Pferd frei lief, bei maximaler Haltbarkeit. Die neuen Flexxbasen sitzen sich schnell durch, weiten sich schneller und leichter und liegen dann auf der empfindlichen Wirbelsäule auf. Obwohl GHOST hier bereits reagierte und die Flexxbasen nur noch in „narrow“, also enger Variante herstellt, so bleibt der Fakt, dass schmalere A-förmige Pferde mit etwas mehr Rist trotzdem regelrecht in die Flexxbasis hineinrutschen. Wer hier glaubt seinem Pferd mit noch mehr Freiheit dienlich zu sein, wird schnell enttäuscht werden, wie bei anderen hyperflexiblen Sattelsystemen.
Eine Änderung die ich bei GHOST in den letzten Monaten begrüßen konnte, waren die XL Kissen die es nun zu kaufen gibt und die original Standardbasis, die es in weit und eng (wide / narrow) zu bestellen gibt. Für runde Pferde (O-förmig) mit wenig bis keinem Rist empfiehlt sich die weite Basis, während blütigere, schmale Pferde (A-förmige) in den engen Basen mehr Widerristfreiheit erhalten.

Die enge Basis öffnet sich nicht so leicht und dadurch auch nicht so weit und der Sattel sinkt nicht mehr zu tief ins Pferd und das enger Biegen des Pommels fällt somit weg. Die XL Kissen als nächste positive Neuerung sind etwa 2cm breiter in der Auflage, als die normalen Kissen. Diese 2cm haben eine enorme Wirkung, denn die Kissen stützten sich vorne deutlich besser ab und verhindern ebenfalls das zu tiefe Einsinken ins Pferd und zweitens bieten sie deutlich mehr Auflagefläche was eine bessere Druckverteilung, aber auch einen besseren seitlichen Halt für den Sattel bedeuten. Die XL Kissen eignen sich daher ideal für A-förmige Pferde bei denen der Sattel vorne gerne zu tief kommt, als auch für O-förmige Pferde, bei denen kein Rist vorhanden ist und der Sattel gerne seitwärts rutscht. Folgend 2 Bilder mit den XL Kissen.
1. an einem Buttera auf einem A-förmigen Pferd, bei dem der Sattel normal vorne zu tief ins Pferd gerutscht ist und 2. an einem Barocco auf einem O-förmigen Pferd, bei dem der Sattel seitlich ins Schwimmen kam.


Auch die unterschiedlichen Pommel und Kantelformen, die mitunter mit den neuen Sitzformen Einzug hielten, bringen etwas Chaos mit sich. Zum Einen, weil man sich auf einen Pommel endgültig festlegen muss beim Kauf und zukünftig alle Sitze dann für diese Pommelform kaufen muss, zum Andern, weil die Sitze wieder nicht auf tauschbar mit anderen Basen sind. Zuvor gab es den sichtbaren und den versteckt verbauten Pommel, jetzt gibt es noch einen Coissant und den Mohawk Pommel. Sichtbar und versteckter Pommel sind unabhängig vom Sitzflächentausch. Diese Sitzflächen funktionieren auf der jeweiligen anderen Basis, aber sobald man sich für einen neuen Pommel entscheidet passt sie Sitzfläche auch nur noch auf eine Basis mit diesem Pommel, was beim Tausch, aber eben auch bei einem Verkauf der Sitzfläche und Neuanschaffung einer anderen Sitzfläche dann schwieriger wird.



Ein weiteres großes Minus stellen die original GHOST Pads dar, auf welche ich folgend eingehen möchte. Ich habe leider mittlerweile keine guten Erfahrungen mit den GHOST Pads machen müssen. Gerade bei Pferden mit viel Rist, zieht sich das Pad für gewöhnlich so schief hin, dass das Sattelkissen auf den Rand der Padpolstereinlage drückt und nebst Haarbruch super unangenehme und offene Scheuerstellen verursacht. Die Verarbeitung der Pads oberhalb der Wirbelsäule macht es schwer das Pad am Rist angenehm auszurichten. Das Standardmaterial der Unterseite „Sympanova“ rutscht bei vielen Pferden, oder verursacht Haarbruch. Eine Baumwollunterseite oder Lammfell haben sich deutlich mehr bewährt wohingegen die Schurwolleunterseiten leider ziemlich schnell ausfransen und die Wollfasern verlieren. Im Großen und Ganzen habe ich von den GHOST Pads nach langer Testphase Abstand genommen und bin auf andere Pads mit Polsterung umgestiegen. Die Polsterplatten die GHOST verbaut funktionieren in Kombination mit dem alten GHOST System in punkto Druckverteilung und WSF einwandfrei, nur leider taugt der Padschnitt nichts. Andere Hersteller passen hier deutlich besser unter das Sattelsystem und supporten Passform und Wirkung optimal. Wichtig ist auch zu wissen, dass ich es nicht empfehlen kann die GHOST Sättel komplett ohne Polsterunterlage zu reiten. Dafür ist das normale Basissystem bereits zu flexibel und benötigt trotz des ausgeklügelten Systems die Durckverteilendewirkung durch das Pad!

Als letzter positiver Aspekt sei noch zu sagen, dass sich die Lieferzeit zum momentanen Zeitpunkt (30.03.24) verbessert hat. Mit ca. 4 Wochen liefert GHOST deutlich schneller als viele andere Sattelhersteller und das bei diversen Individualisierungsmöglichkeiten.
Fazit
Auch nach 4 Jahren dauerhafter und alleiniger Nutzung der GHOST Sättel zum Reiten, bin ich von dem alten System überzeugt. Das alte original System überzeugt am Pferd! Lediglich der neue Ferz, der nun ins Sortiment aufgenommen wurde, taugt in meinen Augen gar nichts mehr! Ich hoffe GHOST wird diesen Fehler zügig erkennen und rückgängig machen, denn das neue System würde und werde ich mir nicht geschenkt aufs Pferd schnallen. Es wäre schade, wenn die Sattelodysee für Viele von neuem Beginnt, weil ein wahnsinnig gelungenes Konzept verschlechtbessert wird, nur um etwas Neues bieten zu können! Das perfekte Zusammenspiel zwischen Pros aus dem Reiten mit Baumsattel und dem Reiten ohne Sattel war wirklich perfekt und bedarf keiner Verbesserung!
Weiterhin finde ich es sehr schade, dass die neuen Sattelmodelle, die wirklich optisch sehr ansprechend erscheinen, auf Grund der geänderten Aufbauart nicht mehr tauschbar auf die normalen Basen sind. Begründung durch GHOST war, dass nur wenige Kunden angeblich mehrere Sitze erwerben. Dieser Grund ist für mich nicht nachvollziehbar, da ich selbst viele Kunden hatte, die ihre Sitze untereinander austauschten und vielleicht 2 Basen mit 2 Sitzen für 2 Pferde hatten, allerdings auch die Sitze der Pferde regelmäßig vertauschten. Auch bei der Preispolitik konnte ich die ersten anfänglichen Preiserhöhungen noch irgendwo als gerechtfertigt ansehen, jedoch muss ich als Insider mittlerweile stark anzweifeln wo diese Reise hin geht. Wenn ich selbst vergleiche, wo ich vor 4 Jahren meinen ersten eigenen GHOST noch zum VK erwarb und jetzt mittlerweile der EK höher ist als der damalige VK, bin ich von dem Preisleistungsverhältnis nicht mehr so angetan.
Wenn man weiß was man möchte, kann man bei GHOST immer noch eine bzw. seine perfekte Sattellösung kaufen, aber die Fülle an Verschlechterungen, machen es schwierig noch den Durchblick zu wahren und als Neuling zu wissen, was etwas taugt, und wovon man besser die Finger lässt. Außerdem steht und fällt die Zufriedenheit des Kunden gewaltig mit dem jeweiligen Händler an den man sich wendet. Die Händler sind Regional verteilt und bedienen optimalerweise nur ihre jeweilige Region. Händler die auf GHOST spezialisiert sind, bemühen sich hierbei merklich mehr um eine adäquate Beratung und Anpassung, als Händler, die noch andere Marken im Sortiment haben und vielleicht selbst präferieren. Es ist also wichtig sich vorab ausführlich über das GHOST System und die vielen Möglichkeiten zu informieren und sich beraten zu lassen, damit man am Ende dann auch wirklich eine gute Lösung und nicht das nächste wabbelige Reitpad unterm Popo hat.
(Kauf-)Beratung und Tipps zur Anpassung des eigenen GHOST Sattels gibt es nach wie vor bei mir. Wer etwas Hilfe mit aussagekräftigen Anleitungen und Schritt für Schritt Anweisungen oder Lösungsansätze sucht, kann sich weiterhin jederzeit melden. Ich freue mich darauf über das System zu fachsimpeln und Euch und euren Pferden zu helfen.
24/7 per Whatsapp 0151-20253390


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