Da ich immer häufiger Anlaufstelle in punkto GHOST-Sattelanpassung bin und mich leider immer und immer wieder am Wiederholen bin, handelt der heutige Blogbeitrag von der richtigen Erstellung des gut zu bewertenden Bildmaterials. Eine Onlineberatung und Einschätzung kann immer nur so gut sein wie das Material, das geliefert wird. Im Folgenden stelle ich die gröbsten Fotofehler vor, die es mir unmöglich machen online zu unterstützen und zeige, worauf es im Groben bei der Anpassung der GHOST-Sättel ankommt.
Das GHOST-System
Um den GHOST-Sattel überhaupt richtig anpassen zu können, muss man das Konzept hinter dem speziellen System verstehen. Das Herzstück, welches den GHOST-Sattel so vielseitig macht, ist die Basis. Die aus PVC, Fakeleder, Karbon und anderen Kunststoffen bestehende Basis erinnert in ihrer Grundform an einen Sattelbaum. Die Basis schmiegt sich perfekt an die Rückenform der Pferde an, da sie aus vollflexiblen Materialien besteht, die gleichermaßen Stabilität, als auch Flexibilität mit sich bringen. Druckstellen werden auf Grund der Flexibilität vermieden und Gewicht auf Grund der genügend vorhandenen Stabilität verteilt.

An der Basis angebracht befindet sich vorne ein „Pommel“. Darin verbaut ist ein stabiler Metallbogen, der der Basis ihre Stabilität verleiht, damit sie nicht vom Reitergewicht auf den empfindlichen Rist des Pferdes gedrückt wird, jedoch auch noch so in sich verwindbar ist, dass der Sattel vierdimensonale Rotationen gewährleistet. Der Pommel ist kein Kopfeisen, er schwebt lediglich über dem Pferd und der Basis. Er berührt das Pferd überhaupt nicht, weshalb niemals Druck auf die Pferdeschulter ausgeübt wird. Die Basis setzt sich nach ca 15km Reitstrecke. „Setzen“ bedeutet keineswegs, dass das Material nachgibt und man wie bei anderen Baumlosherstellern plötzlich das Material durchgesessen hat. Nein ganz im Gegenteil. Die verwendeten Polstermaterialien sind sehr widerstandsfähig, lediglich die Basis formt sich beim Setzungsprozess an die Form des Pferdes an.
Die Steigbügelaufhängung beginnt oberhalb von Karbonplatten, die in der Basis eingebettet liegen und welche den Druck ideal auf die Basis weiterverteilen. Außerdem ist die Aufhängung der Bügel deutlich weiter nach außen und unten versetzt, wie bei herkömmlichen Sätteln, weshalb der Druck nicht von oben in den Pferderücken drückt, sondern seitlich zieht. Der Reiter kann aus zwei möglichen Bügelösen, die für ihn angenehmere Steigbügelaufhängung wählen.
Durch die Y-Aufhängung der Gurtung, ist auch bei einem schwierigen Verhältnis von Sattel zu Gurtlage, immer ein gleichmäßig verteilter Zug auf die Basis gewährleistet. Die wahlweise zu verbauende V-Gurtung verteilt ebenfalls den Zug des Sattelgurtes gleichmäßig.

Dadurch, dass unten an der Basis die individuell zu befüllenden Sattelkissen, ganz wie man es braucht, angeklettet werden können, kann die Basis erstaunlich talliert zugeschnitten für den Reiter gebaut werden. Im Gegensatz zu anderen Baumlosherstellern nutzt Ghost eine identische Aufbauidee wie ein klassischer Baumsattel…nur eben flexibel. Auf die Basis, alias vollflexibler Baum, wird dann eine beliebige Sitzfläche geklettet. Man sitzt deshalb auch keineswegs weiter weg vom Pferd, als man es mit einem gemeinen Baumsattel tut. Der Aufbau und die Schichten sind ebenso angereiht, wir bei einem Baumsattel.
Ein weiterer Vorteil der Basis ist, dass die vollflexiblen Materialien zwar Gewicht gleichmäßig verteilen, jedoch nicht über die gesamte Länge! Das kann ein flexibles Material einfach nicht so gut, wie ein steifes Material. Das Reitergewicht wird also ca 2cm nach vorne und 2cm nach hinten, über die Reiterpogröße hinaus verteilt, nicht aber bis ganz nach vorne in die Kissen, oder ganz nach hinten. Das GHOST-System eignet sich deshalb gerade für sehr kurze Pferde. So lange der Reiterpo ohne Sattel nicht auf der Schulter und hinter der letzten Rippe sitzt, kann der GHOST nicht zu lang sein! Dieses Phänomen kann während des Reitens sogar kontrolliert werden, indem man einfach vorne und hinten die Kissen vom Pferd nach oben wegziehen kann.
Zwischen den klettbaren Sattelkissen ist ein ca. vier Finger breiter, aber individuell auch schmaler oder breiter anzulegender Wirbelkanal zu finden, der auch wirklich mit Reitergewicht frei bleibt. Im Großen und Ganzen war es das schon und der Ein oder Andere hat vielleicht schon jetzt wieder etwas Neues lernen können.
Die richtigen Aufnahmen, um beurteilen zu können
Um beurteilen zu können, ob ein GHOST-Sattel überhaupt für ein Pferd in Frage kommt, benötige ich bereits eine gute Aufnahme, die das Pferd von der Seite zeigt. Nur in seltenen Fällen benötige ich eine Aufnahme von oben vom Pferd, oder von hinten und vorne! Wichtig ist zunächst einmal die Rückenlinie, den Schwung, den muskulären Zustand und die Risthöhe zu beurteilen.


Damit ich erkennen kann, wie ein Pferd dasteht, muss das Tier genau seitlich – nicht von oben, nicht von unten, nicht von schräg hinten oder schräg vorne – dargestellt werden. Wichtig ist ein gerader Untergrund, in dem das Pferd nicht einsinken kann und muskulär verzogen wird. Zwischen Hinter- und Vorderfüße muss eine gerade ganz waagerechte Linie zu ziehen sein. Ich persönlich nutze dafür sehr gerne den Bildrand. Dieser ist immer ganz gerade und kann zum Ausloten verwendet werden. Elementar für eine exakte Einschätzung ist auch das komplette Abbilden des Pferdes inklusive aller Füße, der Kruppe, als auch des Kopfes!
Damit die Lage eines neuen, aber auch gebraucht erworbenen Sattels beurteilt werden kann. Benötige ich zunächst eine Aufnahme wie oben beschrieben, nur mit aufliegendem Sattel. Ohne Pad, einfach nur recht gerade und gleichmäßig geklettet.




Wie in den zuvor stehenden Bildern zu sehen, lässt sich so gut beurteilen, ob der GHOST-Sattel bereits in der Waage liegt, oder ob er in eine Richtung abkippt. Im Beispiel kippt der Sattel nach hinten ab, weil er vorne noch etwas zu eng ist und dadurch noch zu hoch liegt. Wie man sieht, auch ein Baumlossattel muss richtig angepasst werden. Am Ende der Anpassung sieht man deutlich eine Verbesserung. Dies ist nur möglich zu beurteilen, wenn ordentliche Bilder geliefert werden.
Die weitere und ganz explizite Anpassung ist dann nur mit Aufnahmen mit Reiter im Sattel zu bewerkstelligen. Unter dem Reitergewicht verhält sich der Baumlossattel einfach noch einmal ganz anders und muss dringend auch so ordentlich überprüft werden. Bei dem ersten Probereiten muss demnach ein Foto direkt nach dem Aufsteigen und dann kurz vorm Absteigen gemacht werden. So kann erkannt werden, wie der Sattel in der Bewegung gelegen ist.


In den zuvor abgebildeten Aufnahmen ist zu sehen, dass der zunächst gut liegende Sattel, beim Reiten zurück gerutscht ist und nun vorne etwas zu tief abtaucht. Nun kann und muss wieder nachgebessert werden!
Die größten Fotofehler!
Im Folgenden sind die gröbsten Foto faux pas zu finden, die eine Beurteilung der Sattelpassform unmöglich machen.


Eine falsche Ausrichtung zur Handykamera, mit falschem Winkel und am Hang stehend mit verdrehtem Reiter und scheppem Pferd…keine Chance etwas zu beurteilen!


Ein Pferd, das in einer Biegung steht, nicht geschlossen in allen zwei Beinpaaren ist, das rumhampelt und ein Reiter, der schief sitzt, all dies beeinflusst den GHOST-Sattel in seiner Lage. Als vollflexibles Sattelsystem ist die Stärke dieses Sattels, dass er sich an Reiter und Pferd anpasst. Er liegt nicht statisch, wie ein Baumsattel. Er macht alle Bewegungen willig mit, aber das bedeutet eben auch, dass er Sitzfehler deutlicher zeigt und nicht versteckt.
Ein in sich verdrehter, schiefer GHOST ist nicht schlimm! Er zeigt uns Menschen einfach nur, was wir besser machen können. Auch an der gewichtsverteilenden Wirkung, oder an der gleichmäßigen Belastung des Pferdes ändert sich nichts. Der GHOST-Sattel legt sich einfach nur besser an das lebende Objekt an und ermöglicht genau so, mehr Bewegungsfreiheit!
Damit ich jedoch in der Onlineberatung unterscheiden kann zwischen Unpassend, bzw. Anpassungsfehler und einfach nur der individuellen Belastung, benötige ich wie zuvor ausgeführte Bildmaterialien!

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