Die Hackamore

Als Trainerin sehe ich mich mit vielen unterschiedlichen Pferden und auch Reitern konfrontiert. Selbstverständlich hat man da nicht nur „den einen Weg“ für alle parat. Während ein großer Teil der Pferde mit Gebiss geritten werden, wächst auch der Teil der Reiter, die ihrem Pferd kein Gebiss ins Maul geben. Im heutigen Blogbeitrag geht es um die Gebissloszäumung Hackemore. Viel Spaß!

Die Hackamore

Die „natürliche“ Hackamore kommt aus der Westernreiterei und wird dort verwendet, um die jungen Pferde ans Reiten heran zu führen und auf den Einsatz eines Gebisses vorzubereiten.

Das Knotenhack, aber auch das Bosal fallen unter diese Art von Hackamore. Hauptsächlich wird über das Anlegen der Zügel am Hals (Neck raining) geritten. Diese „natural Hack“ wirken über das Anlegen der Bosalseiten und dem Wirken auf der Nase selbst, sowie mit minimalem Druck im Genick. Das Knotenhack ist in seiner Wirkung identisch zum Bosal, nur kommen die Hilfen verwaschener beim Pferd an, weil das Material „wabbeliger“ ist.

Neben dem Bosal, das aus der altkalifornischen Westernreiterei kommt, gibt es auch noch andere Bosalformen. So zum Beispiel das kolumbianische Bosal, das in Kolumbien und Argentinien von den Gauchos genutzt wird. Ein oft mit Ringen besetzter Nasenriemen, an dem Zügel eingehängt werden können, wird mit einem Kinnriemen genutzt, an dem ebenfalls ein bis zwei Ringe angebracht sind. Meistens hängen in den unteren Ringen die Zügel und es wird wie mit der Kalifornischen Version gearbeitet.

Nun aber Obacht! Nur weil die drei zuvor beschriebenen Varianten aus dem Westernbereich kommen, heißt es nicht, dass alle Hackamore vom Westernreiten herrühren!

Die folgenden mechanischen Hackemore sind eine Entwicklung der englischen Reiterszene und wirken gänzlich anders, als die natürlichen Hackamore.

Die mechanische Hackamore

© Sabrina Witte

Als mechanische Hackamore versteht man einen Metallkonstruktion, die auf jeder Seite des Pferdekopfes an Stelle eines Gebisses mit einem Nasen- und Kinnriemen verschnallt wird. Hierbei werden unterschiedlich breite Riemen genutzt. Schmalere Riemen sind stets schärfer.

Es gibt mittlerweile viele unterschiedliche Varianten, die ich Euch nachfolgend hier vorstelle.

Die englische Hackamore

Die englische und wohl auch verbreitete Hackamore Variante besteht aus einem Metallstück, das wie ein Kreuz aufgebaut ist. In den kurzen Stücken werden Nasenriemen, Kinnriemen und der Genickriemen eingeschnallt. Auch hier wurden viele unterschiedliche Formen entwickelt, die in ihrer Wirkung jedoch identisch sind.

© Sabrina Witte

Am langen Stück wird der Zügel eingehängt. Der längere Hebel verstärkt die Reiterhilfe zum Einen, überträgt aber auch über die Hebelwirkung Druck auf das Genick des Pferdes, während ebenfalls auf Nase und Kiefer Druck entsteht. Diese Art von Hackemore eignet sich besonders gut für Pferde, die im Genick nicht gut nachgeben. Eine seitliche Einwirkung ist mit dieser Variante nicht möglich. Eine mechanische Hackemore hat mit der natürlichen Hackemore nichts zu tun! Die mechanische Hackemore hat eine reine beizäumende Wirkung ist vergleichbar mit einem Kandarrengebiss. Dieser Gebissloszaum gehört in erfahrene Hände!

Wer mit einer englischen Hackemore reiten möchte, der muss sein Pferd unbedingt schon über den Sitz biegen können, denn am Zügel ist mit diesem Hackemore kein Einwirken in biegender Weise möglich! Allgemein ist zu sagen, dass ein mechanisches Hackemore eher zur Temporegulierung bei z.B. Ausritten und dem Distanzreiten sinnvoll ist, wo es eben weniger um das Biegen des Pferdes geht.

LG-Zaum, Glücksrad, Flowerhackamore, Lilie

Viele mechanische Hackemore bauen von ihrer Form her so auf, dass man den Genick-, Nasen- und Kinnriemen individuell in unterschiedlichen Positionen einschnallen kann. So kann der Reiter den Zaum individuell auf sein Pferd, aber auch schärfer und sanfter einstellen.

Oft kann der Mensch bestimmen, wie viel Hebelwirkung zum Einsatz kommt, indem er den Zügel so verschnallt, dass der Hebel länger oder kürzer wird. Weiterhin können solche Varianten eines mechanischen Hackemores sogar als Sidepull verwendet und gänzlich ohne Hebelwiekung genutzt werden.

Roy Hackamore

Bei der Roy Hackamore handelt es sich um eine Hackemore, bei der kein Druck im Genick des Pferdes ankommt. Der Nasenriemen besteht hier oft aus einer Gliederkette, die beweglich ist (ähnlich Caveçon) und mit Gummi oder Leder abgepolstert wird. Der Kinnriemen liegt zwingend weiter oben an, als man es von einer Kandarrenkinnkette kennt, die in der Kinnfalte liegen würde.

Der beweglich gelagerte, meist sehr lange Hebel, überträgt Druck auf die Nase und auf den mittleren Teil des Kiefers. Da hier jedoch kein Oberbaum vorhanden ist und der Genickriemen am Drehpunkt selbst sitzt, wird kein Druck auf das Genick übertragen. Diese Variante eignen sich nur dafür das Pferd im Tempo zu regulieren und wird deshalb oft im Distanzsport mit und ohne Gebissen kombiniert. Man findet sie jedoch auch im Springsport.

ACHTUNG: Bei Hebelzäumen, egal ob es sich um gebisslos oder Varianten mit Gebiss handelt, besteht immer ein immens hohes Verletzungsrisiko für das Pferd. Steigt sich das Pferd mit einem Hebelzaum versehentlich in den Zügel, kann es sich in Panik selbst den Nasenrücken brechen. Auch bei einem Sturz, bei dem der Reiter in den Zügel fällt besteht die Gefahr von Kiefer- und Nasenverletzungen!

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website oder ein Blog auf WordPress.com

Nach oben ↑