Wie viele von Euch sicher wissen, reite ich nicht nur gerne, sondern ich fahre auch seit Jahren mit meinem Minishettyhengst am Gig. Die Restauration unseres Gigs findet ihr hier.
Da wir seit einem Jahr nun auch den Minishettywallach Eddie zu unserem Team hinzuzählen, stand schon lange die Überlegung im Raum auch Zweispännig zu fahren.

Im folgenden Beitrag findet ihr nun die Story zu unserer Minishettykutsche. Viel Spaß!
Eine Kutsche muss her, nur was für eine?
Während wir 2020 auf der Suche nach einem Minishettykumpel für unseren Minihengst waren, reifte schon damals die Idee, mit den zwei Minis dann zusammen an der Kutsche zu fahren. Rasenmäher sind unsere Zwerge nämlich nicht!
Als dann der farblich und größentechnisch so perfekt passende Eddie zu uns fand, war klar, jetzt muss eine Kutsche her. Nur welches Modell?
Unsere Zwerge sind gerade einmal je 76cm groß. Sie tragen Geschirre in Miniminishetty, die nochmals enger und kleiner gemacht wurden. Nach der Faustregel, dass jedes Pferd das 3-fache seiner eigenen Körpermasse ziehen kann, müsste jedes Shetty an die 300kg ziehen können…wenn diese Faustregel mal wirklich so bei Minis anzuwenden wäre! Wie immer muss man hier die Regel etwas nach unten anpassen!
Lange habe ich mich also durch das Internet gelesen und bin dabei immer wieder auf Minifahrer gestoßen, die berichteten, dass sie mit zwei Minis und einer 200kg Kutsche plus Fahrer, Probleme haben. Es wurde immer öfter davon geschrieben, dass es sinnvoll ist eine Kutsche mit max. 100kg zu erwerben und unter 200kg Maximallast zu bleiben.
Das ist aber gar nicht so leicht, denn die meisten Ponykutschen sind für Pferde gebaut, die Turniere gehen können und dürfen. Das ist erst mit Pferden ab einem Stockmaß von 96cm möglich und die Kutschen müssen eine Mindestspurbreite von 120cm aufweisen.
Durch diese Mindestangaben fallen 99% der handelsüblichen Kutschen überdimensioniert und zu schwer aus. In ganz Deutschland konnte ich genau einen Hersteller finden, der maßgefertigte Minikutschen schweißt, welche auch für Ziegen nutzbar und oft nur als Einsitzer erhältlich sind. Diese Kutschen weißen eine sehr schmale Spurbreite auf und sind so leicht, dass ein enormes Unfallrisiko besteht.
Im Internet wird einem oft der Marathonwagen als Non Plus Ultra empfohlen. Zu schwer für Minishettys im Falabellamaß! Dressurwägen fallen oft zu hoch und zu schwer aus und eignen sich eher für Welsh-A Ponies.
Einige Minifahrer steigen in ihrer Not auf spezielle Sulkys um, die zwei- bis dreispännig zu fahren sind. Hierbei fehlte mir allerdings auch wieder ein Platz für einen Beifahrer, der nunmal eigentlich sicherheitstechnisch relevant ist.
Das Ende vom Lied war, dass ich diverse Angebote inklusive technische Daten eingeholt hatte und das von erfahrenen Minifahrern empfohlene Maximalkutschengewicht von 100kg, stets überschritten war.
Wir entschieden uns dann etwas der Marke Eigenbau zu entwickeln und ich suchte eine gute Materialbasis auf eBay Kleinanzeigen.
Es wird ein Buggy
Ich fand nach einigen Wochen einen kleinen ca 60 Jahre alten Dressurbuggy. Der Verkäufer schickte mir die Daten und alles passte. Zwar konnte ich es kaum glauben, dass der Buggy nur 90kg wiegen sollte, doch für den damaligen Preis, fuhren wir los und holten das alte Teil einfach mal ab.

Schon beim Einladen stellte ich mit großer Überraschung fest, dass der Buggy wirklich sehr leicht war. Zwar war die Schere abmontiert, jedoch ging es mir auch hauptsächlich nur um die Achsen mit dem Aufbau.
Der Neuaufbau

Daheim angekommen wurde der Buggy erst einmal komplett zerlegt. Alle defekten Teile wurden getauscht und in 8h Arbeit, schliff ich in der prallen Sonne bei gefühlt 40 Grad, den gesamten Rahmen ab.

Die total verborgene Einspännerschere bauten wir ab und schweißten eine neue Aufnahme für eine Zweispännerdeichsel. Von einer Bekannten bekamen wir eine super ramponiert, aber preiswerte Zweispännerdeichsel inklusive Spielwaage in Ponygröße. Aus den diversen verborgenen Metallrohren bauten wir dann nach Maß eine Deichsel mit Sprengwaage, da das Fahren auf komplett loser Anspannung mit Spielwaage zumeist nur in der Forst- und Landwirtschaft genutzt wird.

Am Ende wurde alles grundiert und dann schwarz gespritzt. Die Brettchen wurden behandelt und wieder neu eingeschraubt, während die Sitzbank und der Schlagschutz direkt verbrannt und durch neue Bretter ersetzt wurden.

Während die Arbeiten am Buggy selbst nur schleppend voran gingen, bildete ich den kleinen Eddie am Boden so weit aus, dass er seinen Job an der Kutsche ohne Probleme antreten können würde.

Während seiner Ausbildungszeit, lernte Eddie nicht nur das Longieren, die Langzügelarbeit und das Fahren vom Boden kennen, wir gingen auch viel mit den Shettys ins Gelände. So lernte der kleine Mann direkt das Feld kennen und muss nicht erst an der Kutsche mit gruseligen Dingen konfrontiert werden. Außerdem baut dieses Training schon mal Kondition auf.

Nachdem Eddie am Boden ohne Probleme zu fahren war, begann die Arbeit mit beiden Pferden zusammen. Zunächst übten wir ohne Geschirr und die Ponys liefen erst einmal nur nebeneinander her, während ich Anhalten, Losgehen und Seitwärts, sowie Rückwärts abfragte.

Das erste Anspannen verlief absolut unspektakulär. Die Pferde ließen sich einfach neben die Dechsel einparken und standen ruhig, bis es los ging. Unseren Minihengst spannten wir auf der linken, der Gegenverkehr zugewandten, Seite ein, den Youngster auf der rechten Seite. So hatten wir es bereits vermehrt im Training geübt. Wie erwartet zeigte der Hengst wie routiniert er vor der Kutsche war und zog den Jungspund einfach mit in seine neue Aufgabe hinein.
Die Spielwaage haben wir zu 100% beidseitig fixiert und so zu einer Sprengwaage umgebaut. Gerade für das Einfahren von Jungpferden eignet sich die Sprengwaage mehr.

Für die Zukunft möchten wir noch ein Gewicht auf die Rückablage des Buggys, in Form eines Picknickkorbes anbringen. Der Buggy hat sich als so leichtrollend und gewichtsarm herausgestellt, dass wir auf der Hinterradachse, an der die Bremse anliegt, zu wenig Gewicht aufbringen und die Bremse dann nicht gut genug greift. Das Körbchen gehört eigentlich auch historisch gesehen auf einen Buggy drauf!
Weiterhin sind wir alle positiv überrascht, wie enorm ruhig der Buggy auf der Straße liegt. Der breite Radstand, die dabei kurze Länge, geringe Höhe und der Längsbaum zwischen Vorderradachse und Hinterradachse, machen das Fahrerlebnis unglaublich komfortabel. Gegebenenfalls werden wir die Deichselbrille noch durch ein Jocke-Joch ersetzen. Hierbei wird eine Stange an Stelle der Aufhalter an der Pferdebrust beziehungsweise am Brustblatt eingehängt. Diese Stange sorgt dafür, dass die Ponies leichter in der Spur bleiben und sich nicht an der Deichsel anlehnen. Je nach Ausbildungsstand der Minis könnten wir so komplett auf den amerikanischen Fahrstil umstellen (Spielwaage, Buggy, leichtes Geschirr, je Pony eine Fahrleine und Jocke-Joch).
Zu guter Letzt hätten wir keine bessere Kutsche für unsere Minis finden können!


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