Im heutigen Beitrag geht es um die richtige Lage eines Sattels und die Gründe, weshalb ich von dem GHOST-Sattelsystem so überzeugt bin.
Wo und wie soll ein Sattel überhaupt liegen?
Egal ob baumloser Sattel oder Baumsattel, es ist wichtig bei der Verwendung eines Sattels, auf gewisse Grundregeln zu achten.
Einem jeden Reiter sollte klar sein, dass ein Sattel (auch baumlos) in einem gewissen Bereich auf dem Pferd liegen darf und auf gewissen Bereichen eben gar nicht!
Das Schultergelenk, die gesamte Schulter, der Trapezmuskel, die Wirbelsäule mit ihren Dornfortsätzen und der Lendenbereich müssen absolut druckfrei bleiben.
Lediglich ca zwei Finger breit hinter dem Schulterblatt und bis zur maximal letzten Rippe des Pferdes, darf der Sattel aufliegen. Ca. eine Hand breit unterhalb des Widerristes, beginnt die tragfähige Muskulatur und auch seitlich darf die Sattelauflagefläche nicht über den langen Rückenmuskel hinaus ragen.

Erklärung zu Abbildung 1: Ganz links die Schulter und das Schulterblatt des Pferdes, dann eine Hand breit Platz am Rist, hinten die letzte Rippe. Zusätzlich ist unten das Mindestmaß des Sattelgurtes markiert, weiter unten dürfen keine Schnalle liegen, sonst stößt der Ellbogen in der Bewegung an diesen an und es kommt zu unschönen Scheuerstellen.
Auf dem Trapezmuskel, zwei Finger breit hinter dem Schulterblatt und ca. eine Hand breit unter dem Rist, folgt die Hauptauflagefläche des Kopfeisens oder Polsters (weißes Kästchen). Wenn man nun entlang der Wirbelsäule mit ca. einen Finger breiten Abstand zu den Dornfortsätzen eine Verbindungslinie bis zur letzten Rippe und dann ca 10cm weiter unten parallel ebenfalls eine Verbindungslinie zieht, erhält man ein Abbild der Auflagefläche seines Pferdes.
Hier, und nur hier in diesem Bereich, darf absolut flächig und gleichmäßig ein Sattelkissen aufliegen. Ob wir hier von Baumsätteln nach Maß oder von baumlosen Varianten mit Lederbaun, ohne Baum mit Klettkissen, Barefootmodellen, Deuber & Partner, Englischsattel, Barocksattel, oder sonst wem reden ist egal! Kein Sattel darf auf der Wirbelsäule liegen! Auch ein vollflexibler Sattel sollte immer hinter der Schulter ordentlich gesattelt werden. Auch wenn die Schulter unter einem flexiblen Sattel rotieren kann, so kommt doch irgendwann zu viel Belastung auf die Schulter, wenn der Sattel mit seinem Schwerpunkt zu sehr auf oder in die Schulter hinein rutscht!
Sattel korrekt anpassen und Passform prüfen:
Anhand meines GHOST-Sattels werde ich nun zeigen, wie man die Passform seines Sattels prüfen kann.
Schritt 1: Als erstes betrachte ich den Sattel von der Seite auf dem Pferd. Meistens ungegurtet und ohne Schabracke. Liegt der Sattel in der Waage? Kommt er vorne oder hinten zu hoch und kippt der Sattelschwerpunkt vielleicht?

Bild 1 
Bild 2
Schritt 2: wenn ich die Balance geprüft habe, betrachte ich die Winkelung der Schulter im Vergleich zur Winkelung des Kopfeisens, Pommels, Widerristfreiheit bzw. der Kissenwinkelung – je nach Sattelsystem.

Abb. 2 
Abb. 3
Wie auf Abbildung 2 und 3 unschwer zu erkennen und einskizziert ist, gibt der Sattel eine falsche Schulterwinkelung vor. Oben am Rist entsteht eine schmerzhafte Druckspitze für das Pferd. Da der Sattel eine falsche Winkelung im „hypothetischen Kopfeisen“ mitbringt, liegen selbstverständlich auch die Kissen nicht korrekt an. Auch bei Baumlossätteln muss man hier also je nach Bauart mal einen Blick drauf werfen! Ein baumloser Sattel passt nicht automatisch immer! Bei unserem Beispiel ist eine Anpassung durch den Sattler (oder bei GHOST auch selbst) nötig!
Eine Anpassung erfolgt über Kopfeisen und Kissenfüllung, oder wie bei GHOST über das Umkletten der Klettkissen.


Pommellinie etwas schief eingezeichnet! SORRY! 
Schritt 3: liegt der Sattel nun in der Balance und ist an die Schulterwinkelung angepasst, dann prüft man die Wirbelsäulenfreiheit. Wer hier bei seinem Barefoot z.B. schon nicht unterm Sattel durchgucken kann, der sollte dringend eine andere Sattellösung anstreben. Druck auf der Wirbelsäule ist ein Tabu!
Bei diesem Schritt sollte auch mehrmals rechts und links unterm Sattelkissen von vorne nach hinten mit der flachen Hand seitlich hindurch gestreift werden, um Brückenbildung unterm Sattel bei falschem Schwung des Sattelbaums (bei GHOST sind Brücken wegen des vollflexiblen Baums nicht möglich) zu überprüfen.
Schritt 4: Am Ende nochmal 3-4 Schritt zurücktreten und das Gesamtbild betrachten.

Schritt 5: Nachdem der Sattel gut auf, in und am Pferd liegt, eine Satteldecke unterlegen und Probereiten. Ein gut angepasster Sattel rutscht nicht, scheuert das Fell nicht auf, macht ein gleichmäßiges Schweißbild auf dem angestrebten Bereich und lässt Lende, Wirbelsäule, Rist und Schulter den Raum den alles braucht. Auch der Reiter hat ein gutes Balanceempfinden und fällt nicht vor oder zurück.

Warum letztlich GHOST?
Es ist leider sehr schwer einen Sattler zu finden, der einen Baumsattel perfekt angepasst bekommt. Einen Baumsattel anzupassen Bedarf sehr hoher Kompetenzen und ich als Freizeitreiter traue es mir nicht zu, Kissen selbst zu stopfen und mit einem unflexiblem Sattelbaum zu arbeiten. Klar verteilt ein unflexibler Holzbaum das Reitergewicht besser, aber was hat man davon, wenn der Sattler oder man selbst nicht richtig anpassen kann und das Pferd Schmerzen hat?
Mit GHOST habe ich eine gute (ergo fast sehr gute) Gewichtsverteilung die für den Distsnzsport und eine tägliche mehrstündige Gewichtsbelastung ausgelegt sind. Mein Sitz wird gut talliert, dank des vollflexiblen Carbon-Baums, der kleine Veränderungen vom Pferderücken von alleine kompensiert. Vor allem reden wir hier von Unterschieden im Schwung des Rückens (ein Pferderücken verändert sich ca alle 5 Jahre vom Schwung her). Außerdem gleicht ein vollflexibler Baum auch muskuläre Veränderungen von rechter Seite zu links Seite aus, wo man bei einem Baumsattel den Sattler holen muss und auf einer Seite etwas ändern lassen müsste. Über den leicht alleine zu biegenden Pommel, kann ich die Weite meines Sattels selbst bestimmen und das Eisen passt sich zusätzlich in einem materialdefiniertem Bereich dann selbst an das sich verändernde Pferd an.
Zusätzlich zur Weite, kann ich die Position der Kissen ohne Probleme anpassen. Kein Sattler muss kommen und ich kann innerhalb von Minuten auf Veränderungen am Pferd reagieren. Bei einem Baumsattel muss ein Sattler den Sattel mitnehmen, man kann dann nicht weiter trainieren, das Pferd baut eventuell ab und der Sattel kommt wieder und passt nicht!

Sowas nervt einfach ungemein und all diese Probleme habe ich mit dem Ghostsattel nicht mehr. Über den Sattel kann ich unglaublich viel selbst an viele unterschiedliche Pferde anpassen. Ich habe eine absolut akzeptable Gewichtsverteilung, die für die tägliche Amateurreiterei ausreicht und auch für mehre Stunden Gelände absolut ok ist. Die Wirbelsäulenfreiheit etc. ist zu 100% gewährleistet und ich kann im Notfall, wenn über die oben erwähnten 5 Schritte eine Anpassung nicht vollends möglich ist, sogar selbst die Klettkissen über Klett öffnen und hier ganz einfach und sehr gut zugänglich Polsterung entnehmen oder hinzufügen. Kein aufwändiges abnehmen von Nähten, oder verschließen von Nähten ist nötig. Kein Spezialwerkzeug und keine langen Wartepausen auf den Sattel müssen in Kauf genommen werden!



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