Immer wieder passiert es, dass ich zur ersten Stunde zu einem neuen Mentee komme und mir als erstes die Frage gestellt wird: „Was brauche ich alles, um mit meinem Pferd zu arbeiten?“.
Natürlich hängt die richtige Ausrüstung davon ab, was ich mit meinem Pferd machen möchte. Oft gibt es aber auch Überschneidungen und man benötigt gar nicht so einen großen Sattelschrank, um mit seinem Pferd vielseitig und abwechslungsreich zu arbeiten.
Die Basis der Arbeit ist, dass wir unser Pferd genau ansprechen können. Hier für ist gute und richtige Ausrüstung nötig. Um das Pferd einfach nur dirigieren und steuern zu können, reicht eine Gerte, ein Strick und ein gutes Knotenhalfter.
Da fängt es aber leider auch schon an. Der Markt an Gerten ist überwältigend! Auch Stricke gibt es in allen Farben und Formen! Und Knotenhalfter…oh je!
Es ist also gar nicht so leicht, bei dieser Basisausrüstung die richtige Wahl zu treffen.
Worauf muss ich achten?
Ein guter Strick sollte ca 3m lang sein. Er sollte sich gut in die Hand hineinlegen und angenehm anfühlen. Der Strick sollte nicht zu steif sein und sich gut in Schlaufen legen lassen. So fällt er platzsparend in der Hand entlang und lässt sich gut und ordentlich aufräumen. Sehr gut geeignet ist ein guter Strick aus reiner Baumwolle. Nylon und PPE Seile werden schnell heiß bei Reibung und ich habe mir schon den ein oder anderen Lederhandschuh mit einem PPE Seil aufgeschnitten.

Baumwolle ohne eine stabile Seele eignet sich sich für kleine Hände besser, da das Seil gut zusammenzudrücken ist. Dadurch hat man auch einen besseren Griff.
Bei der Gerte muss man darauf achten, dass diese auf jeden Fall lang genug ist. Die Gerte dient als Armverlängerung und macht es möglich das Pferd am letzten Eck zu berühren, ohne dass wir uns selbst verrenken müssten. Eine verdrehte Körperhaltung ist Gift für die Kommunikation mit dem Pferd. Wichtig ist auch, dass die Gerte eine gewisse Stabilität aufweist. Zu wabbelige Gerten sind nicht präzise zu verwenden.
Ich selbst arbeite bei meinem 1,42m Norweger schon mit einer 1,40m Gerte, damit ich das Pferd vorne entspannt begrenzen und hinten einfach anschubsen kann. Bei Größeren Pferden nutze ich Touchierpeitschen mit 1,60m Länge oder sogar Fahrpeitschen mit 1,80m Länge.
Lediglich mit meinem 76cm Shettyhengst arbeite ich mit einer 1,10m Reitgerte.
Beim Reiten trage ich stets eine 1,30m Gerte mit mir, die auch ohne die Hand nach hinten nehmen zu müssen, gut an die Kruppe und den Oberschenkel des Pferdes herankommt.
Ihr seht also, dass man mindestens 3 Gerten und Peitschen im Schrank stehen hat. 1x eine Reitgerte, dann eine Bodenarbeitsgerte in lang und eine Longierpeitsche für große Distanzen.

Das richtige Knotenhalfter könnt ihr daran erkennen, dass es aus nicht dehnbarem Material besteht. Wenn ihr das Knoti nehmt und daran zieht, darf sich das Material nicht in seiner Form verändern. Ein Knotenhalfter hat die Aufgabe direkte und feine Signale zu übertragen. Da darf kein Gummieffekt vorhanden sein, sonst wird das Signal schwammig und muss stärker ausgeführt werden. Die Harmonie leidet!
Ein echtes Knotenhalfter hat einen Seildurchmesser von 6mm. Die meisten im Handel käuflichen Knotis bestehen aber aus 8mm Seil, das leicht dehnbar ist. Diese Knotis sind sehr weich und schwammig und verfehlen ihren Zweck somit.
Ich selbst arbeite sehr gerne an 5mm dicken Knotenhalftern, diese können allerdings auch sehr scharf eingesetzt werden und taugen nichts für Anfänger. Auch mag ich persönlich keine Knotenhalfter aus PPE-Seil. Das Nylonseil des Knotis erhitzt sich bei Reibung extrem schnell und ist wie der Nylonstrick für uns, auch für die Pferde nicht angenehm.

Von der Basisarbeit in Form von Führtraining geht es weiter zum Longieren. Hier nutze ich meine 9m Baumwolllonge und einen Kappzaum. Diese Longe nutze ich ebenfalls oft als Strick, wobei man da natürlich etwas Geschick mitbringen muss, um die vielen Laschen gebändigt zu bekommen. Mit etwas Übung geht aber auch das.
Der Kappzaum ist für mich ein Must Have in der Sattelkammer. Wer heute noch an der Trense longiert, der hat noch nicht erkannt, dass er sein Pferd darüber extrem abstumpft.
Der Karabiner, der in den Gebissringen, oder in der Longierbrille eingehängt wird, schlackert bei jedem Schritt am Gebiss. Die beim Reiten gewünschte Feinheit des Pferdemauls wird systematisch zerstört.
Hinzu kommt, dass Stellung und Biegung für das Pferd leichter auszuführen sind, wenn man es am mittleren Ring eines Kappzaums und somit über das Nasenbein stellt. Man benötigt keine Ausbinder, um das Pferd in die Selbsthaltung anzuleiten und das Pferd bekommt nicht am empfindlichen Kiefer herumgezogen. Das Knotenhalfter eignet sich überhaupt nicht zum Longieren, da es das Pferd nach außen stellt.
Welcher Kappzaum ist der richtige?
Auch bei den Kappzäumen gibt es eine gigantische Auswahl. Es gibt Wiener Kappzäume, Caveçon, Serreta, leichter Kappzaum und Semi Kappzaum.
Die schweren Wiener Kappzäume leiten durch ihr Gewicht den Pferdekopf nach unten an. Ich persönlich finde diese Art der Wirkung fragwürdig. Das Pferd muss zusätzlich zum schweren Kopf und Hals auch noch den Kappzaum heben, dabei ist das Ziel das Pferd auf die Hinterhand zu setzen und die Schulter frei zu machen. Außerdem sind die klobigen Eisen auf der Nase nicht wirklich flexibel genug, damit sie auf jedes Pferd optimal passen.
Die Serreta besteht aus einem gebogenen Metallstück, dass mit oder ohne Lederüberzug daherkommen kann. Dieser Kappzaum kommt aus Spanien und der Metallbügel kommt auf der Pferdenase zum Liegen. Hier merkt man schon beim Lesen, dass der unbewegliche Bügel ganz genau auf die jeweilige Pferdenase angepasst sein muss, damit beim Pferd keine schmerzhaften Druckpunkte entstehen. Über den stabilen Bügel lässt sich das Pferd sehr gut biegen und stellen, aber ein Mal falsch verwendet, kann das Nasenbein ernsthafte Verletzungen davon tragen.
Die Serreta gibt es in Spanien auch mit gezackter Unterseite. Die Zacken bohren sich in die Pferdenase und die Pferde erleiden Verletzungen. Es gibt deshalb viele spanische Pferde, die weiße Haare auf der Nase haben. Ich finde die Serreta eignet sich nicht für die Arbeit mit dem Pferd!
Der Semikappzaum wird in der Trense eingefädelt und eignet sich nicht zum Longieren. Er verrutscht bei seitlichen Zug. Der Semiksppzaum ist nur zum Reiten!
Das Caveçon kommt aus Frankreich und besteht aus einer mit Leder ummantelten Gliederkette. Die Kette legt sich äußerst flexibel um individuelle Pferdenasen herum und die Lederpolsterung polstert angenehm ab. Dieser Zaum kann fein verwendet werden, kann aber auch einem jugendlichen Anflug von Übermut eine Grenze setzen.

Für meine Pferde nutze ich zu Beginn der Ausbildung ein Caveçon und welchsle im Laufe der Ausbildung recht schnell zu leichten Kappzäumen. Das Nasenteil besteht bei einem leichten Kappzaum nur aus Leder. Die 3 Ringe müssen sehr gut abgepolstert sein, damit sie dem Pferd nicht auf der Nase drücken. Ein solcher Lederkappzaum legt sich optimal um den individuellen Pferdekopf herum. Es gibt keine Druckstellen und an den 3 Ringen kann das Pferd gut gebogen werden. Die Kommunikation ist etwas schwammiger als beim Caveçon, aber eine falsche Hilfe tut dem Pferd auch nicht gleich weh. Diese Kappzäume eignen sich für Anfänger.
Die leichten Kappzäume sind auch nicht besonders schwer und ziehen das Pferd nicht auf die Vorhand.

Letztlich kann man am Kappzaum auch Handarbeit und Doppellongenarbeit machen.
Was braucht man noch?
Was jedes Pferd natürlich noch haben sollte, ist eine passende Zäumung zum Reiten und ein guter Sattel. Zu meinen Zäumen habe ich einen extra Beitrag geschrieben und worauf es bei einem Sattel ankommt, findet ihr hier!
In der jeweiligen Zäumung sollte ein Gebiss verwendet werden, dass zum Pferd passt und womit es zufrieden geht. Eine gute Sattelunterlage kann vor unschönen Scheuerstellen schützen. Einen Blogbeitrag zu Sattelunterlagen findet man hier.
Einen Beinschutz nutze ich nur bei Pferden mit Vorbelastungen oder besonders hohem Risiko. Die Pferde sollen ihre Umwelt wahrnehmen können und müssen auch merken, wenn sie hängen bleiben.
Im (Extrem-)Trail, oder wenn wir durch das Unterholz reiten, aber auch beim Springen schütze ich die Pferdebeine mit einem guten Paar Gamaschen oder gleich durch eine gute Bandagierung mit Baumwollunterlagen.

Damit ich mit meinen Pferden auch mal ohne alles reiten kann, besitze ich noch einen über 10 Jahre alten Halsring. Er hat einen harten und stabilen Kern und gibt genau und exakte Hilfen weiter.
Ein Halsseil aus Leder besitze ich ebenfalls. Dieses verwende ich in der Jungpferdeausbildung beim Einreiten der Remonten. Weit ausgebildete Pferde lassen sich auch daran sehr genau und gut reiten. Für die Anfänge eignet sich aber ein stabiler Halsring besser.

Das darf in der Pferdeausbildung nicht fehlen!
Damit man mit seinem Pferd jede Hürde bewältigen kann, nutze ich gerne Leckerchen. Das extrem starke Futterlob kann Ruhe zurück bringen, bei gutem Timing den gewünschten Effekt sehr genau definieren und bringt Motivation in schwierigen Lektionen.
Damit meine Leckerchen nicht mehr ständig in der Waschmaschine landen, habe ich unterschiedliche Futterbeutel, die ich an Gürten anbringen kann. So bleibt alles in seinem Bereich.

Da ich bei jedem Pferd mit dem so wichtigen und positiv belegten Futterlob arbeiten möchte, verwende ich unterschiedliche Leckerchen.
Bei Diätpferden greife ich gerne auf Heucobs zurück. Hier muss man sich locker gepresste Cobs suchen, damit die Pferde mit ihrem Wasserhaushalt hin kommen. Für Shettys nutze ich extrem kleine Heucobs von Derby.
Pferde die vor Angst kein Futter mehr annehmen, bekommen auch mal die „Abfallleckerlis“ aus dem Pferdeladen, aber nur weil da so viel Giftzeug drin ist, dass die einfach gut schmecken. Alternativ kann man hier auch auf frische Karottenstückchen setzen. Das klappt auch gut.
Bei allen anderen Pferden versuche ich auf eine gesunde Ernährung zu achten. Leider funktionieren die Heucobs nicht mehr unbedingt bei alten Pferden, weshalb ich hier auf Heuhäcksel übergehe. Die Pferde freuen sich immer, wenn sie in der Arbeit ein Lob bekommen. Gebettelt wird aber nicht! Fortschritte lassen sich mit einem Futterlob viel schneller erreichen und jeder Reiter sollte eigentlich immer 1-2 Leckerchen in der Tasche dabei haben.
Was braucht der Reiter unbedingt?
Natürlich gibt es auch Ausrüstungsgegenstände für den Reiter, die unerlässlich sind. Ein gutes Paar Laufschuhe, ein paar Reitstiefel und ein Helm sind unabdingbar!
Auch Handschuhe dürfen in der Arbeit mit dem Pferd nicht fehlen! Hier empfehlen sich Baumwollhandschuhe im Niedrigpreissegment und hochwertige Lederhandschuhe im Höherpreisigensegment.




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