
Wie man auf vielen unserer Bilder sieht, nutze ich für meine Pferde ganz besondere Zäumungen.
Die nächsten Zeilen erklären genau, warum welches Pferd bei mir was trägt und warum ich nicht einfach mit einer normalen Trense reite.
Gründe für eine Alternative zur normalen Trense.
Es gibt mehrere Gründe dafür, warum ich nicht mehr mit herkömmlichen Trensen arbeite:
- Trensen liegen auf den empfindlichen Gesichtsnerven
- Trensen lassen sich nicht individuell genug an die Gesichtsform anpassen
- Trensen sind nicht vielseitig zu nutzen
Gerade der Fakt, dass herkömmliche Trensen leider genau auf den empfindlichen Gesichtsnervenbahnen aufliegen, stört mich extrem.

englische Trense 
Westerntrense
Gelb/orange liegt weit außen, blau/rot liegt eher eingebettet in Muskeln und Fleisch.
Ich erwarte, dass meine Pferde in einem Spannungsbogen gehen können und Höchstleistungen vollbringen. Das soll möglich sein, ohne dass ihnen am Kopf etwas drückt und einschnürt. Wer sich schon mal einen Nerv gequetscht hat, der weiß wie schmerzhaft Druck auf Nerven sein kann.
Jedes Pferd hat einen ganz eigenen Kopf. Manche haben ein konkaves, andere ein konvexes Profil und gewisse Exterieurparts liegen an anderen Stellen, als bei einem anderen Pferdekopf.
Ein Shetty hat zum Beispiel häufig einen kürzeren Schädel, als ein Warmblüter, wobei ein Araber ein zierlicheres Köpfchen hat, als ein Kaltblut.
Diese unterschiedlichen Eigenschaften sorgen dafür, dass es passiert kann, dass ein Shetty nicht genug Platz für einen Gebissring am Kopf hat. Maulpartie und Ganasche liegen so nah aneinander, dass ein Nasenriemen nur schwer 2 Finger breit unterm Jochbein unterzubringen ist und sowieso sieht das Köpfchen in dem ganzen Leder so gestaucht aus.
Bei einem Kaltblut mit starker Ramsnase kann es wiederum passieren, dass die große Nase den Reithalfterriemen hochzieht und der Genickriemen dann genau über das Jochbein verläuft.
Ich habe bei herkömmlichen Trensen ergo einfach zu wenig Einstellmöglichkeiten, um individuell auf mein Pferd zu reagieren.
Auserdem möchte ich gerne meine Sattelkammer nicht mehr mit zig unterschiedlichen Ausrüstungsgegenständen voll packen. Wenn ich einen Alltagszaum für ein Pferd habe, dann muss er so vielseitig einsetzbar sein, dass ich in der Arbeit mit dem Pferd spontan reagieren kann, falls ich mal merke, dass Reiten heute vielleicht doch ein zu großer Schritt ist und ich spontan zuerst etwas Handarbeit machen möchte. Dann erst das Pferd zurück zu führen und umzutrensen auf einen Kappzaum oder ein Halfter, macht nicht unbedingt jeder und man neigt dazu aus Bequemlichkeit dann nicht pro Pferd zu arbeiten.
Natürlich kann man Handarbeit auch an der Trense machen, aber ihr wisst was ich meine. Longieren, Führtraining vorab, Zirzensik zum Kopf frei kriegen, all das mache ich nicht direkt am Gebiss.
Das Jochbein soll frei liegen, der Kiefer muss uneingeschränkt zu bewegen sein und die Atmung darf nicht gestört sein. Im Genick soll nichts drücken und gut verteilt werden und das Gebiss muss ruhig im Pferdemaul gehalten werden.
Bei der Arbeit im Gelände ist es wichtig, dass das Pferd sich im Busch nicht die Trense abstreichen kann. Beim Fahren soll das Gebiss nicht seitlich durchs Maul gezogen werden (wobei das beim Reiten natürlich auch nicht sein darf), weshalb oft Knebeltrensen oder Fahrkandaren zum Einsatz kommen, die das Gebiss seitlich fixieren. Dass dabei die empfindlichen Laden des Pferdes gegen Kiefer, Zähne und Schädelknochen gedrückt werden, stört den Menschen reichlich wenig!
Was ist das Besondere an meiner Zäumung?

Zunächst einmal sorgt der Ganaschenriemen meiner Zäume dafür, dass der Genickriemen nach unten, weg von der Hauptnervenbahn des Gesichts gezogen wird. Individuell kann man so einstellen, wo der Genickriemen entlang laufen soll.
Über die Länge des Genickriemens kann man wiederum einstellen, wo der Ganaschenriemen auf der Ganasche liegt und kann so ebenfalls empfindliche Nervenbahnen aus lassen. Das Genick ist jeweils dick gepolstert, damit nicht zuviel Druck auf den empfindlichen Atlas-Wirbel kommt.
Der Unterkiefer kann sich noch frei in alle Dimensionen bewegen und das Pferd kann das Zungenbein in der Arbeit optimal lösen.
Empfindliche Nerven im Unterkiefer werden durch keinen Nasenriemen begrenzt, genau so nicht die Kaubewegung.
Die Höhe des Jochbeins wird individuell erkannt und über die Länge des Ganaschenriemens ausgespart. Auserdem wird das Gebiss optimal ruhig im Maul gehalten und seitlich gut stabilisiert auch ohne Gebissschenkel (Schenkel, D-Ringe, Olivenkopfringe, usw.). Weiterhin ist auch kein Reithalfter nötig, um das Gebiss im Maul zu stabilisieren.
Es ist möglich einen Stirnriemen und Nasenriemen zu nutzen, aber es ist nicht nötig um den Zaum am Kopf zu fixieren.
Wie ich die Zäume im Alltag nutze.
Ich nutze die Zäume mal mit, mal ohne Nasenstücke. Prinzipiell funktioniert die reine Trensenfunktion am besten und am Pferdeschonensten.

Ohne Nasenriemen 
Mit sehr lockerem Nasenriemen
Damit ich die Zäume vielseitig verwenden kann, führe ich für jedes Pferd a eine gebisslos Variante mit. Manchmal sind die Pferde so fein, dass es reicht gebisslos zu kommunizieren. Hier gibt es natürlich viele unterschiedliche gebisslos Varianten, die alle in meiner Art von Zaum einzuschnallen sind. Man möchte ja nicht permanent umtrensen, weil man versehentlich heute die Trense genommen hat, anstatt das Sidepull.

Rechts: Vosal + Pelham
Die gebisslosen Stücke werden alle sehr locker am Pferdekopf mitgeführt und im Gegensatz zu Reithalfter und Sperriemen drücken sie nicht die Nerven ab.
Gebisslos wird stets nur über Impulse geritten und nie über Dauerdruck! Deshalb werden die Nervenbahnen in Folge der Kommunikation fein stimuliert und das Pferd spürt, dass der Mensch etwas möchte.
Toffys Zaum
In Toffys Zaum ist ein Pelham mit Mullenmouth Mundstück und 11mm Durchmesser verschnallt. In seinem Maul ist wenig Platz, weshalb ich keine Kandare und eine Unterlegtrense unter bekomme. Am Pelham kann ich je nach Situation über das Bauchergebiss (ähnlich wie normale Wassertrense) reiten und/oder einen Kandarenzügel mit nutzen.
Als gebisslose Zäumung ist ein südamerikanisches Vosal verbaut. Diese sind kaum noch bekannt und nur noch schwer zu erwerben. Es funktioniert ähnlich wie ein Bosal im Westernsport, hat aber dünne Metallschenkel am Kiefer anliegen, die sehr fein kommunizieren. Sie wirken durch die dünne Aufmachung etwas schärfer als ein Bosal, machen aber auch eine direktere und feinere Ansprache möglich. Das Nasenstück wirkt beizäumend oder nach vorne entlassend und ist von mir nochmal extra weich gepolstert worden, da Toffy auf der Nase sowieso schon sehr fein ist.

Zu 90% reite ich gebisslos. Erst in höheren Lektionen und mehr Versammlung benötige ich das Gebiss. Ich halte damit das Zungenbein beweglich und löse das Genick, da man das gebisslos nur wesentlich schwieriger kann. Benötige ich eine hohe Beizäumung kann ich zur Kandare übergehen und diese einhändig reiten.
Der Zaum ist sehr vielseitig zu nutzen und ermöglicht mir auf individuelle Gegebenheiten angemessene reagieren zu können. Mal ohne Gebiss, mal mit.
Takis Zaum
Kein Pferd ist gleich und deshalb trägt Taki eine andere Kombination als Toffy.
In seiner Trensenversion ist ein Kimblewick mit 11mm Stange und kleiner Zungenfreiheit verschnallt. Die Springkandare ist wie eine Wassertrense zu nutzen, wie ein Bauchergebiss, oder wie eine kleine Kandare. Obwohl er erst am Anfang seiner Ausbildung steht, ist dieses Gebiss perfekt für ihn und wächst mit ihm und seinen Aufgaben in der Wirkungsweise mit.
Gebisslos funktioniert bei ihm am Besten ein kolumbianisches Bosal. Diese Art von Bosal wird wieder immer mehr zum Trend und man kann hier sehr gut unterschiedliche Modelle erwerben. Das Nasenstück (Bosal) besteht aus Leder mit 3 Ringen und das Kinnstück (Barbada) hat ebenfalls nochmals 2 Ringe.
Am mittleren Nasenring kann longiert werden, an den zwei Äußeren wird geritten wie an einem Sidepull. Die unteren Ringe können ebenfalls zum Reiten, oder Führen genutzt werden.
Die untere Verschnallung dient der Beizäumung, die seitliche unterstützt seitwärtsweisende Hilfen.

Je nach Art des Trainings, nach aufkommenden Schwierigkeiten, oder einfach nach Lust und Laune, können das Ponykind und ich uns aussuchen, wie der Zaum gerade am Besten für uns funktioniert.
Gerade Jungpferde reite ich zu Beginn sehr gerne ohne Gebiss, aber das Pferd trägt mit dieser Zäumung sein späteres Gebiss schon einmal mit und kann sich langsam daran gewöhnen.
Minishettyhengst Muffin
Auch der Kleinste im Bunde hat seinen eigenen besonderen Zaum. Er wird sehr viel am Langzügel gearbeitet oder gefahren. Beim Fahren möchte ich, dass das Gebiss ruhig zum Liegen kommt und gut mittig gehalten wird, was bei den schiefen Shettykiefern manchmal gar nicht so leicht ist.
Sein Zaum hat auf jeder Seite einen Haken zum Einklipsen seiner Gebisse oder Gebisslosvariante. Ein Nasenriemen mit unten angebrachtem Ring, lässt sich beim Fahren in der Jackentasche mitführen und in der Pause zum Führen und Anbinden einklipsen.

Selbst sein Jochbein liegt trotz ungewöhnlicher Kopfform sehr gut frei. Den Stirnriemen trägt er nur, damit sein riesiges Pony damit fixiert werden kann und er bei der Arbeit freie Sicht hat.
Fazit
Man sieht an meinen drei Pferden sehr schön, wie unterschiedlich Pferde sind und dass es keine 0815 Lösung für ein Pferd gibt. Man muss mit viel Kompetenz nach der richtigen Lösung suchen und die richtige Kombination für das Pferd und auch sich finden.
