Da ich sowohl im Web, als auch real bei Kunden öfter auf das Thema „Sporen“ angesprochen werde, möchte ich dazu gerne einmal öffentlich etwas schreiben.
Sporen werden von dem Einen gerne genutzt und von den Anderen verteufelt. Ich kann beide Meinungen verstehen. Im folgenden Beitrag möchte ich auch mit einigen Vorurteilen aufräumen und Irrtümer beseitigen.

Sporen sind Folterinstrumente!
Viele Gegner von Sporen bezeichnen die Metalldornen gerne als Folterinstrument. Ich kann diese Meinung nachvollziehen, wenn ich mir den Gebrauch bei manchen Reitern, oder historische Sporentypen ansehe.
Es ist nicht Sinn und Zweck von Sporen, diese dem Pferd in den Bauch zu rammen, damit das faule Pferd wieder flotter wird. Ein solcher Gebrauch ist absolut falsch und mehr als verwerflich!

Auch ich konnte viele Jahre nicht wirklich verstehen, warum man solch ein Hilfsmittel verwendet. Vor allem konnte ich nicht verstehen, wie das Reiten damit fein sein soll.
Erst mit einem größeren Verständnis der Biomechanik und vor allem Kommunikation mit dem Pferd, habe ich begriffen, wie eigentlich die Kommunikation mit Sporen richtig und fein von statten geht.
Durch die Bodenarbeit und das Touchieren des Bauchmuskelansatzes mit der Gerte, ist mir klar geworden wofür Sporen gut sind. Je besser ich mit dem Pferd kommunizierte und je feiner die Signale wurden, um so genauer sprach ich mit der Gerte einen ganz kleinen Punkt am Pferd an.
Teilweise nutze ich auch den Gertenknauf, um diesen ganz gezielt an den gewünschen Punkt anzulegen und dem Pferd darüber eine sehr sanfte Hilfe zu geben.
Später beim Reiten fehlte mir oft die Präzision mit dem blanken Schenkel. Ich legte den Schenkel mit einer ca. 10cm breiten Fläche am Pferdebauch an und sprach dann versehentlich gleich mehrere Signalpunkte gleichzeitig beim Pferd an. Das führte zu Verwirrung beim Pferd und einer schwammigeren Reaktion bzw. Kommunikation.
Es gibt z.B. einen Punkt am Pferdebauch, der ist für die Verlagerung der Balance und dient dafür das Gewicht von links nach rechts zu bringen. Nur 2 cm weiter hinten folgt ein Punkt, der den spanischen Schritt herauskitzelt und noch weiter hinten folgt ein Punkt, der den Bauchmuskel des Pferde anspricht und Spannung ins Pferd bringt. Auch die Hinterhand und die Beinaktivität werden über Punkte am Bauch gesteuert, die sogar übereinander liegen können. Es gibt je nach Ausbildungsstand noch zig weitere Punkte am Bauch, die als Signal für das Pferd bzw. für eine gewisse Reaktion dienen. All diese Punkte können mit einer Spore und über einen Impuls angesprochen werden. Dauerdruck ist tabu genau so wie Klopfen. Beim spanischen Schritt gibt das Bein am richtigen Punkt über Impulse nicht nur die Lektion vor, sondern auch den Takt.
Wenn man sich jetzt überlegt, dass all Punkte auf nur ca 35 x 35cm Bauchbreich vom Pferd liegen, dann versteht man auch, dass je kleiner das Objekt ist das am Pferdebauch „anfragt“, um so exakter werden die kleinen Reaktionspunkte angesprochen. Die Kommunikation wird feiner, weil sie vor allem genauer wird.
Grundlegend sei also gesagt, dass eine Spore richtig angewendet ein wirklich reelles Hilfsmittel ist. Falsch verwendet muss ich den negativen Stimmen Recht geben! Niemals wird ein Sporn in den Bauch gedrückt, sondern er streicht (streichelt) nur an dem exakten Kommunikationspunkt entlang, um diesen genau anzusprechen!
Was für Sporen gibt es?
Nachdem wir nun also mit dem Vorurteil und der richtigen Verwendungsweise von Sporen aufgeräumt haben, kommen wir zu den unterschiedlichen Sporentypen.

Es gibt kurze Dornen, mittlere Dornen und lange Dornen. Dazu kommen die unterschiedlichsten Spitzen. Von abgerundeten Dornen mit Kugelform, über gerade Dornen bis hin zu Rädchen in Scheiben-, Kugel- oder Sternenform. Auch innerhalb der Reitweisen gibt es Unterschiede.
Die englischen Sporen werden mit einem Riemen um den Mittelfuß am Stiefel befestigt. Die Westernsporen haben einen Riemen um das Fußgelenk und liegen beweglich am Stiefel. Spanische Sporen werden meistens nur kurz über dem Absatz angesteckt und portugiesische Sporen werden mit einem langen Riemen um Fußgelenk und Mittelfuß fixiert.
Sogar die Position an der die Sporen sitzen variiert. Die meisten englischen Sporen werden oberhalb der Ferse fixiert. Dort befinden sich häufig auch an den Stiefeln Sporenstopper, die das nach oben Rutschen verhindern sollen.
Spanier, Portugiesen, Cowboys in der ganzen Welt, verschnallen ihre Sporen eher kurz oberhalb vom Stiefelabsatz bzw. sogar am Absatz.
Welche Spore wirkt wie?
Die ganzen unterschiedlichen Sporentypen haben aber meistens ähnliche Dornspitzen. Wie diese wirken und dass auch hier einige Irrtümer vorherrschen, zeige ich Euch jetzt.

Kugel
Kugeln sitzen auf dem Dornende und runden dieses ab. Es gibt keine scharfe Kante und die Kugel kann am Bauch schön abstreichend verwendet werden. Diese Form von Sporn ist sanft, aber nicht individuell zu nutzen. Es geht nur Druck da, Druck weg.

Gerader Dorn (leicht abgerundet)
Unabhängig von der Länge des Dorns, wirkt diese Art von Sporn etwas schärfer als eine Kugelspore. Die geraden Kanten des Sporns (im Bild noch leicht abgerundet) können scharf verwendet werden und pieksen bei Bedarf den Pferdebauch an. Bei leichtem Druck und enorm viel Vermögen, kann der Reiter zuerst mit dem komplett flachen (im Bild leicht abgerundet) Teil einwirken und bei Bedarf die Wirkung verstärken, wenn er die Kante nutzt. Je nach Länge des Dorns, kann dieser weiter, oder weniger weit ins Pferd gedrückt werden. Allerdings ist das keine gute Nutzung der Dornlänge! Richtig ist, dass die Länge des Dorns dem Reiter helfen soll schneller oder langsamer ans Pferd ran zu kommen. Bei einem langen Dorn geht das mit einer Microbewegung im Fußgelenk, bei Babydornen muss der Fuß weiter ausgedreht werden, damit der Sporn ans Pferd dran kommt. Eine normale, gerade Dornspore egal in welcher Länge ist nicht so nett für das Pferd.

Rädchensporen
Die Rädchensporen haben innerhalb ihrer Gruppe nochmals unterschiedliche Erscheinungsbilder. Es gibt komplett runde Scheibenrädchen (Pizzaschneider), Sternrädchensporen mit runden Zacken und Sternsporen mit spitzen Zacken und Sporen mit einer beweglichen Kugel.
Irrtümlicherweise werden diese Rädchensporen als schärfste und „böseste“ Variante angesehen.
Eigentlich ist es aber so, dass Rädchensporen besonders sanft und flexibel zu verwenden sind. Es ist wichtig, dass sich die Rädchen sehr leicht drehen lassen, denn dann ist es für den Reiter möglich die Spore über das Pferd zu rollen. Die Spore „federt“ sogar in der Bewegung mit. Während der Reiter die Spore am Pferd anlegt, bewegt sich das Pferd auch und das Rädchen kompensiert die entstehende Reibung.
Während ein Dorn am Pferdebauch ansetzt und an der Haut entlang reibt, rollt das Rädchen (in Welcher Form auch immer) an der Haut entlang. Es entstehen keine „Hautfalten“.
Der Reiter kann sich diese abrollende Wirkung zu nutzen machen und mit dem Rädchen am Kommunikationspunkt entlang streicheln. Es ist eine super feine Kommunikationsart.
Bei den Rädchensporen stellt die Kugelspore die feinste und sanftere Sporenart da. Die Kugel mit ihrem 1cm Durchmesser hat keine Kanten und piekst definitiv niemals in den Bauch. 1cm ist aber auch noch eine recht große und plumpe Kommunikationsgröße. Die Sporen eignen sich perfekt für Sporenanfänger.
In der Wirkungsstärke folgt nun die Rädchenspore mit abgerundetem Stern. Der Stern rollt angenehm am Bauch entlang. Nur kleine Punkte werden berührt und bei Bedarf kann eine Spitze erfühlt und mit sehr kleiner Auflagefläche am Pferd „geredet“ werden. Obacht! Diese Sporen kann falsch verwendet natürlich auch schärfer wirken. Es gibt auch andere Formen als Sterne. Z.B. gehört auch das Kleeblat zu dieser Sporenwirkungsweise, oder andere abgerundete Sternformen mit längeren und kürzeren Zacken.

Es folgt die Scheibenspore. Der „Pizzaroller“ ist hierbei nicht feiner, als die abgerundete Sternchenspore. Er ist sogar etwas schärfer, da die Scheibe mit nicht einmal 0,5mm Dicke am Bauch anliegt und wie ein Pizzaroller in die Haut einschneidet. Bei zu viel Druck und rollender Bewegung kann das Pferd schnell oberflächlich mal einen Krazer bekommen. Hingegen der weitläufigen Meinung ist der Pizzaroller fast eine der schärfsten Spornvarianten.
Die Rädchenspore mit spitzem Stern ist eine scharfe Variante. Trotz der rollenden Bewegung pieksen die Spitzen ins Pferd. Diese Spore gibt es eigentlich nicht mehr zu kaufen. Historische Beispiele aus Mexico sind hier zu betrachten.
Weitere Sporen
Es gibt noch andere Dinge, die am Pferd als Spore genutzt werden können. In orientalischen Ländern gibt es Sättel mit Steigbügeln, die Spitze kanzen und große Trittflächen für den ganzen Fuß des Reiters aufweisen. Die Kanten der Steigbügel können als Spore genutzt werden.
Auch gibt es noch andere Spitzen. In Portugal gibt es Sporen mit Steckaufsatz und man kann die Spitze des Dorns ändern. Dort gibt es auch kegelförmige, spitz zulaufenden Sporen, die wirklich ein spitzer Dorn sind. Nicht sehr pferdefreundlich und bei uns auch nicht mehr verwendet!
Was gibt es noch bei Sporen?

Alternativ gibt es auch Sporen mit nach innen versetztem Dorn. So kommt man dann z.B. auch mit einem kurzen Dorn super leicht an das Pferd heran, ohne den Fuß unnatürlich auszudrehen.
Der Dorn kann außerdem nach oben, oder unten verlaufen. Er kann nach innen oder außen zeigen. Das alles gleicht z.B. reiterliche Schwächen aus. Neigt der Reiter beispielsweise dazu den Fuß noch leicht nach innen zu drehen, die Ferse zeigt deutlich zum Pferd und er würde dann schon mit dem Dorn am Pferdebauch anliegen, kann er eine Spore mit nach außen zeigendem Dorn nutzen. Das räumt ihm etwas mehr Spielraum ein.
Umgekehrt vermindert eine nach innen zeigende Spore die Fußdrehung, die der Reiter machen muss, um an das Pferd ran zu kommen.
Ist das Reiterbein sehr lang, kann eine nach oben zulaufende Spore, den Abstand zum Pferd verringern und der Reiter muss beim Kommunizieren nicht das Bein hochziehen. Umgekehrt kann eine nach unten geneigte Spore, bei kurzen Beinen helfen.

Potentielle Probleme bei der Sporennutzung.
Leider sehe ich immer wieder, dass Reiter falsche Sporen für sich nutzen. Man muss vorm Kauf und ersten Reiten überlegen, wofür man die Sporen braucht und ob ein reiterliches Deffizit (kurze Beine) ausgeglichen werden muss.
Außerdem muss man gucken, wie viel Abstand zwischen Pferd und Ferse ist. Braucht man einen kurzen Dorn, oder einen Langen? Ist man Anfänger und tastet sich erst einmal mit einer Babyspore an die Nutzung mit einer größeren möglichen Fußbewegung heran, oder ist man Fortgeschritten und bewegt seine Beine beim Reiten kaum noch für die Kommunikation?
Man muss auch immer beim Reiten mit Sporen aufpassen, dass man nicht anfängt die Ferse hoch zu ziehen. Das sind unschöne Sitzfehler und so soll die Spore nicht genutzt werden!
Wo man die Spore am Bein am ehesten mag, sollte man nach wenigen Testritten gemerkt haben. Ich persönlich reite z.B. am Liebsten mit Spore am Absatz oder nur knapp darüber. So spüre ich die Spore am besten. Andere brauchen die Spore aber auf Höhe der Knöchel und können so am Feinsten kommunizieren!

Bei Westernsporen kommt dazu, dass man mit ihnen nicht wirklich feste in den Bauch drücken kann, da diese lose am Stiefel befestigt sind. Bei zu viel Druck hebt sich die Spore an und schiebt sich nach oben. Portugiesische Sporen sind so feste fixiert am Stiefel, dass man definitiv am Pferd dran ist, wenn man drückt.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
Ich persönlich vertraue mir selbst nie. Zu schnell kehrt die Betriebsblindheit ein, zu schnell wird etwas wie die Spore zur Routine.
Damit ich immer weiß, dass die Sporen noch korrekt genutzt werden, reite ich immer wieder ohne Sporen. Ein Pferd muss auch ohne Sporen fleißig vorwärts gehen und wenn mit Sporen eine feine Kommunikation gegeben ist, dann kann man auch zwischen durch am blanken Schenkel sehr fein reiten als Kontrolle.
Merkt man, dass das Pferd ohne Sporen träger läuft, als mit, verwendet man die Sporen zum Treiben und das ist nicht ihre Aufgabe! Die Kommunikation zu verbessern und zu verfeinern, nur dafür sind Sporen gemacht und deshalb bin ich auch der Meinung, dass man schon Jungpferde beim Einreiten mit Sporen reiten kann.
Gut vorbereitet kennt das Jungpferd aus der Handarbeit bereits die Touchiersignale der Gerte und gerade beim Einreiten ist es so wichtig sich die Pferde fein zu halten und nicht gleich abzustumpfen. Die Sporen sind korrekt verwendet auch beim Jungpferd eine tolle Möglichkeit direkt unterstützend und sehr fein für das Pferd da zu sein und von vorne herein keine Fehler zu machen.
Welche Sporen nutze ich?
Ich nutze ausschließlich abgerundete Sternchensporen bei meinen Pferden. Bei Toffy hin und wieder auch mal Dornen, aber das liegt eher daran, dass wir ein sehr gut eingespieltes Team sind und wir so gut wie alles zusammen meistern. Ich mag aber das Gefühl eines Dorns gar nicht. Der ist direkt so grob und hart.
Ich liebe es mit dem Rädchen am Bauch entlangzustreichen und zu spüren, wie das sanfte Anlegen schon zu einer Reaktion führt.
Mehrere Sternchensporen aus allen Reitweisen besitze ich. Westernsporen mit Sternchen, die ich vorallem bei Jungpferden und Berittpferden zur Gewöhnung trage.
Englische Sporen mit Rädchen und Stiefelschutz, sowie einem mittleren Dorn, sind stabil am Fuß und sehr alltagstauglich und leise.
Bei Pferden, die ich sehr gut kenne und die schon recht erfahren sind, nehme ich meine Stecksporen mit langem Dorn und Rädchen. Die kann ich leicht an und ausziehen, was sehr praktisch für Faulpelze wie mich ist und ich kann die Hilfen ohne große Fußbewegung geben.
