Früher war alles besser – warum ich heute noch auf Filz setze.

Vor einiger Zeit kam ich in den Stall und beim Gang durch meine Sattelkammer wurde mir ganz schwindelig. Es hatte sich so viel Zubehör angesammelt. Meine Sattelkammer drohte aus allen Nähten zu platzen.

Selbst nach stundenlangem Sortieren, Kategorisieren und Aufräumen fühlte ich mich regelrecht erschlagen von dem ganzen Zeug. Beim Ordnen war mir aufgefallen, dass ich gewisse Zubehörteile seit Monaten, ja gar Jahren, nicht mehr am Pferd verwendet hatte. Außerdem waren viele Teile nicht wirklich angenehm in der Arbeit für’s Pferd, oder mich.

So ging es nicht weiter!

In einem Anfall, schnappte ich alle überflüssigen, schlechten und wenig genutzten Utensilien und warf sie auf einen Haufen. Diverse Schabracken, Zügel, Trensen, Gamaschen und was weiß der Geier noch, flogen darauf.

Schabracken, die noch nie verwendet wurden, kamen in den Verkauf.

Vor mir lichtete sich das Zubehörchaos und langsam legte sich auch meine innere Anspannung. Zufrieden trat ich einen Schritt zurück und bestaunte meine sortierten Schränke. Das Innere war plötzlich so übersichtlich! Mit einem Seufzer drehte ich mich um und sah den Berg aus angesammeltem Überfluss an.

Ganze 11 mal musste ich laufen, um das ganze Zeug in mein Auto zu verschaffen und daheim sortierte ich direkt an der Mülltonne nochmals aus. Den Rest stellte ich in Ebay-Kleinanzeigen ein und verscherbelte ihn regelrecht für Spottpreise. Weg war weg, lautete die Devise!

Putzzeug
Jedes Pferd benötigt zwar sein eigenes Putzzeug, aber in den Säckchen ist es sauber und platzsparend verräumt.

Es war Zeit sich auf das Wesentliche zurück zu besinnen!

Die folgenden Tage überprüfte ich, welches Zubehör eigentlich wirklich im Alltag nötig ist und ob ich vielleicht noch weitere Gegenstände wegrationalisieren könnte. Es gab auch Dinge, an denen ich wirklich sehr stark hing und die dann doch bleiben mussten.

Darunter waren z.B. eine BR Schabracke in Cognac, die farblich einfach zu Toffys Maßsattel gehörte und 2 Maßanfertigungen, die damals extra in Frankreich für mich gefertigt wurden. Sowas gibt man natürlich nicht weg, aber ich habe trotzdem dramatisch die Sattelkammer „entmüllt“.

Was durfte bleiben?

Ein gutes Knotenhalfter und der Sattel blieben. Die Schabracke wurde verkauft.

Letztlich durften die Sättel der Ponys bleiben, sowie mehrere unterschiedlich lange Sattelgurte. Die drei Arbeitszäume der Pferde und jeweils ein Halfter mit Strick wurden natürlich auch behalten. Zwei Knotenhalfter, ein Baumwollstrick und ein paar Baumwollbandagen für Takis Bein fanden noch Platz und meine geliebte Baumwoll-Allzweck-Longe und die Arbeitsgerten. Fertig!

Damit ich meine ganzen Gebisse nicht weggeben musste, baute ich eine kleine Trensenhalterwand, an der ich die Gebisse mit dazugehöriger Trense aufhängen konnte.

Die Trensenwand. Bis auf die Glitzertrense von Toffys Sattelset, alles für Lehrzwecke.

Manch ein Leser wird sich nun fragen, wo da der Minimalismus ist? Die Gebisse sind allerdings nicht für meine Pferde. Sie sind aus den Testversuchen der letzten Jahre und dienen der Veranschauung der unterschiedlichen Wirkungen bei meinen Mentee im Unterricht. Außerdem nehme ich die Stücke sehr regelmäßig zum Ausprobieren am Kundenpferd mit. Sowas kann man natürlich nicht im Vorratsschränkchen daheim bunkern. Damit aber eine genaue Abgrenzung zum Privatmaterial vorhanden ist, verwendete ich also besagte extra Wand.

Meine drei alten Woilache habe ich aufgeteilt und unter den Sätteln verwahrt. Dabei fiel mir auf, wie sehr ich mich in den letzten Jahren von dem Material Wolle beziehungsweise von Wollfilz entfernt hatte. Das Material hält dabei doch aber so viele Vorzüge bereit!

Massimo D2 Sattel mit Woilach

Modisch werden sich diese Wollfilzdecken wohl nie durchsetzen, aber ich habe noch kein Pferd getroffen, das nicht doch noch etwas besser lief mit einem Woilach unterm Sattel.

Im Westernbereich weiß man Filz seit vielen Jahren zu schätzen. Die 5cm Filzpads unter Westernsätteln sind nicht erst seit gestern im Sortiment größer Reitsportgeschäfte.

Vorteile eines Woilachs

Ein Woilach hat gewisse Vorteile gegenüber unserer neumodischen Steppschabracken.

Sie werden z.B. ganz speziell gefaltet und nicht zusammen gesteppt. Das führt dazu, dass die unterschiedlichen Deckenlagen beweglich auf einander liegen und nicht fixiert. Reibung vom Sattel wird so vom Pferd fern gehalten und Scheuerstellen vermieden.

Gerade auf Langstreckenritten ist das besonders gut für das Pferd.

Dazu kommt, dass Wollfilz ein zu 100% natürliches Produkt ist. Hitze wird so nicht gestaut und Schweiß optimal nach außen abgeleitet.

Ein Woilach wird ca 2cm dick im gefalteten Zustand. Druck wird aber nicht nur durch die dicke der Unterlage vom Pferd genommen. Wollfilz ist besonders druckabsorbierend und druckverteilend. Kleinere unpassende Sattelmängel gleicht ein Woilach aus und verhindert damit gerne den ein, oder anderen Sattelzwang. Und hier sei dazu gesagt, dass sich ein Pferd nun mal bewegt und dass ein Sattel nie 100% angenehm für den Pferderücken ist. Ein Woilach ist also immer zuträglich.

Die oben genannten Vorteile reichen für mich, um voll und ganz hinter diesen Produkten zu stehen!

Nachteile eines Woilachs

Natürlich hat der Woilach auch zwei kleine zu vernachlässigende Nachteile zu gesteppten Schabracken. Der Woilach muss nämlich erst mal richtig gefaltet werden. Das ist manchmal mühsam und nimmt mehr Zeit ein, als eine Schabracke.

Ich für meinen Teil muss aber sagen, dass das schlichtweg die Faulheit des Menschen ist, die diesen Nachteil generiert. Also keine Materialmängel!

Weiterhin verfängt sich das Haarkleid der Vierbeiner sehr gerne in der Decke und man muss diese dann mühsam von Hand ausbürsten. Auch das macht leider etwas mehr Arbeit. Allerdings kommt man da auch nicht wirklich mit Steppschabracken drum herum!

Für faule Reiter gibt es eine Lösung!

Die negativen Aspekte eines Woilachs hat die Industrie in den letzten Jahren genutzt und ein neues Produkt auf den Markt gebracht. Wobei es eigentlich kein neues Produkt ist sondern ein Relaunche!

Damit auch die faltfaulen Exemplare der Reiter ihrem Pferd etwas Gutes tun können, gibt es unterschiedlichste Anbieter von Filzschabracken. Diese bieten eine optimale Lösung. Aber Obacht! Auch hier muss man aufpassen.

Filzschabracken mit Lederbesatz

Es gibt rein optische, „falsche“ Filzschabracken und „echte“ Filzdecken. Eine Filzdecke die gerade einmal 5mm dick ist, absorbiert minimalst Druck, verteilt diesen aber nicht zusätzlich und sieht nur „möchtegern kompetent“ aus.

Wichtig beim Kauf einer Filzschabracke ist, dass diese mindestens 1cm dick ist. Nur so ist eine Druckabsorbation und kleine Gewichtsverteilung möglich. Je dicker die Decke wird, um so besser!

Leider setzen sich zur Zeit gerade farblich attraktiv gestaltete und designte Modelle durch. Diese sind besonders teuer, sehen zugegebenermaßen echt richtig fein aus und blenden den Markt mit ihrer Optik. Es gibt sogar Produkte aus billigem Wollgemisch, anstatt aus reiner Wolle. Gemische neigen aber dazu einen Hitzestau zu verursachen und leiten die Wärme nicht gut ab!

Besagte „falsche“ Filzschabracken kosten teilweise 300 Euro aufwärts und sind damit 5x so teuer wie meine eigenen 1cm Schabracken aus 100% Wolle mit Lederbesatz. Da blieb mir schon so manches Mal der Mund offen stehen.

Der Minimalismus kehrt gänzlich ein!

Bei mir war es nun so gewesen, dass mich die Woilache in der Arbeit schnell nervten. Oft unter Zeitdruck stehend, warf ich meine Woilache nach der Arbeit nur schnell in die Ecke und musste diese dann beim nächsten Mal erst wieder sauber falten. So sehr ich das Material liebe, für den Alltag bewährte sich die Aufbauart nicht so sehr.

Zum Glück wusste ich von den Filzschabracken und begab mich auf die Suche nach den zwei perfekten Alltagsdecken für Taki und Toffy.

Zwei Wochen suchte ich im World wide Web und war schon überrascht wie groß das Angebot heute ist. Vor 6 Jahren auf der EuroCheval habe ich genau einen Hersteller gefunden. Heute sprießen die Produktionen überall. 5mm oder auch 8mm dicke Decken musste ich mir aber erst gar nicht kaufen. Erst recht nicht für diese horrenden Preise.

Da ich nicht wollte, dass sich die Pferde gegenseitig mit Hautkrankheiten infizieren, war es mir auch extrem wichtig, für jedes Pony eine eigene Decke zu haben. Die Tiere schwitzen bei der Arbeit in das Material hinein und aus hygienischer sich muss ein Teilen nicht sein. 2x 300 Euro schockieren mich dann aber wirklich sehr!

Nach langer Suche fand ich dann eine englische Schabracke in 8mm Dicke, die im Preissegment lag und wollte schon fast bestellen. Ich dachte mir dann aber doch noch kurz vorher: „Ach komm, noch einmal mit allem was du hast!“, und begann noch einmal das Internet mit allen Kniffen und Tricks zu durchforsten.

Und da waren sie!

Tatsächlich! Bevor ich die 8mm Decke bestellte, fand ich wirklich eine 1cm Decke die sogar noch günstiger war. Zwar war sie in einem portugiesischen Schnitt angelegt, aber das ist doch egal! Englische Sättel passen dort genau so drauf und der portugiesische Schnitt wird sogar bei Krämer seit 2 Jahren als DER NEUE SCHABRACKENSCHNITT angepriesen. Also auch noch voll im Trend!

Bei den Spaniern und Portugiesen sind Filzschabracken noch ganz alltäglich. Sie haben im Gegensatz zu uns Deutschen, den Filz nie vergessen und man bekommt dort einiges auf dem Markt. Besonders toll sind auch die angenähten Lederaplikationen. Diese haben keineswegs einen optischen Hintergrund, vielmehr dienen sie dem Schutz des Filz.

An Gurt, Bein und in der Kammer kann es zu viel Bewegung kommen, weshalb hier das größte Abnutzungspotential besteht. Damit die Decken lange halten (ja man produziert nicht überall auf Kurzlebigkeit), werden die besonders strapazierten Bereiche mit hochwertigem Rindsleder (auch nicht nur 0,05mm dick, sondern echt stabil) geschützt.

Die Lederbereiche kosten bei vielen Filzschabracken extra, nicht aber bei den Portugiesen! Da ist das Standard.

Im Endeffekt musste ich erst noch einmal 150 Euro in die Hand nehmen, um letztlich den absoluten Minimalismus zu erreichen. Die Filzschabracken haben mir jedoch gezeigt, dass ich keine schickimicki Schabracken mehr haben möchte, weshalb auch meine Unikate an Sattelunterlagen ausgezogen sind.

Es lebe der durchdachte Minimalismus!

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