Im Blogbeitrag Paddocktrail konnte man schon einen kleinen Blick auf den Reitplatz erhaschen. Nun möchte ich Euch gerne zeigen, wie wir den Reitplatz gebaut haben.

Vorweg muss ich leider wieder erst erzählen, dass es gar nicht so leicht ist eine Baugenehmigung für einen Reitplatz zu bekommen, weshalb wir den Bau auch wieder auf ein Minimum beschränken mussten. Es wird bei uns in BaWü so gehandhabt, dass Aufschüttungen und Abgrabungen von bis zu 2m im Außenbereich ohne Baugenehmigung erlaubt sind. Man muss die Maßnahme nur beim Amt anzeigen. Sicherheitshalber haben wir die Aufschüttung von Sand abgeklärt und glücklicherweise war es kein Problem und das Prozedere wird geduldet.
Einen professionellen Unterbau durften wir aber dennoch mal wieder nicht machen und wer sich noch an die schwierigen Bodenbedingungen aus dem Paddockbau-Beitrag erinnert, der weiß noch, dass unser sehr schwerer Lehmboden meistens gefühlt nur aus Wasser besteht. Darauf zu reiten ist schmierig, rutschig, dreckig und sau gefährlich. Ich brauchte schnell eine Lösung.

Am Anfang des Hofaufbaus hatten wir ja nur Wiese, Obstplantage und Feld zum Reiten. Mit Toffy dem Professor war es zwar lästig, aber durchaus möglich zu trainieren. Auch wenn ich öfter einmal gerade so noch einem Ast ausgewichen bin.

Für Taki, der gerade neu zum Team gekommen ist und der ganz am Anfang seiner Ausbildung steht, war es aber wichtig nicht auch noch beim Reiten auf den rutschigen Boden oder auf Pflanzen achten zu müssen.

Angefangen haben wir deshalb eine Koppel mit Elektrolitze abgeteilt. Diese grenzte am Trailrundlauf an. Auf der Koppel konnte man nach kurzer Abfesszeit auch recht ruhig und konzentriert arbeiten. Die Pferde konnten auf dem Stück auch mal laufen gelassen werden und bei absoluter Trockenheit war der Lehmboden sogar richtig gut zum Reiten. Aber wehe es regnete drei Tropfen darauf, dann war der Platz direkt unbrauchbar weil er rutschig wie Schmierseife wurde.
Als der „Bau“ richtig los ging, folgte zunächst der Rückbau der Elektrolitze und anschließend der Aufbau eines stabileren Holzzauns. Dieser begrenzte die Pferde einfach deutlicher, als so ein paar fliegende Bänder.



Damit ich wieder etwas mehr Trail-Training machen kann, haben wir das Reitplatztor in Leichtbauausführung gebaut. Natürlich war ich mal wieder sehr viel am Streichen in 2019.

Zum Herbst hin rollten dann die ersten Anhänger mit Ausgleichsmasse an. Dafür verwendeten wir Muttererde und Erdaushub aus der Region. Wir mussten einige Löcher ausgleichen und brauchten einen ganzen Tag und 12 Fuhren mit 2 Autos und 1x 2t Anhänger und 1x 4t Anhänger. Zu dritt haben wir das alles geschafft und die Masse immer von Hand verteilt und verzogen.

Die Ausgleichsmasse die wir von einer befreundeten Gärtnerei geschenkt bekommen haben, hat leider nur für die Hälfte des Reitplatzes gereicht. Die größten Löcher haben wir damit wegbekommen und für den Rest haben wir einfach eigenen Mutterboden genutzt. Wir haben wieder einen Aufbau als Bauvariante gewählt, ähnlich wie beim Paddock der Pferde. So hat man wenigstens noch die Chance, dass das Wasser zur Seite hin abfließt, wenn nach unten nichts mehr geht. Auf eine Umrandung haben wir aber absichtlich verzichtet, da der Übergang von Normalniveau auf den Reitplatz nicht zu stark sein sollte und verwaschenen Ausläufe ok sind. Mit der eher niedrigen Nutzungsrate eines Privatplatzes, sollten die Ränder auch nicht zu stark auseinanderrutschen.

Mit der Rüttelplatte wurde die Ausgleichsmasse verdichtet und das Ganze wurde ziemlich ebenerdig und stabil. Wir hatten die Hoffnung, dass der Steinanteil im Erdaushub die Drainagefähigkeit des Bodens verbessert. Trotzdem musste der Boden so stabil werden, dass er nicht mehr nachgibt und gefährliche Löcher entstehen. Wir hatten eigentlich Lehmboden mit Kieselsteinen vermengt. Ob das klappt? Dazu später mehr!
Als nächstes kam endlich der Sand. Vom örtlichen Bauunternehmen bekamen wir recht günstig Grubensand. Das ist ein ungewaschener Bausand, der normal verwendet wird um Rohre darin zu verlegen. Er hat einen recht hohen Lehmanteil für Sand und eine Körnung von 0-5.
Es handel sich um einen Sand, der sowohl runde, als auch kantige Körner hat und der nicht „rollt“ wenn man darauf reitet. Er schmirgelt aber auch nicht die Hufe ab. Der Sand lässt sich gut verdichten, wird aber auch wieder weich, wenn er trocknet. Auf Grund der Körnung, trocknet er wirklich überraschend gut ab, verliert aber nicht die gesamte Feuchtigkeit, sodass der Wind den Sand nicht so einfach wegpusten kann und der Platz auch kaum staubt.
Wir haben 62 Tonnen Sand bekommen, die wir ca. 50m weit von Hand verteilen mussten. Das war die härteste Arbeit, die ich jemals gemacht habe, aber die Arbeit hat sich gelohnt. Der Sand muss jetzt gut eingeschwemmt werden und immer wieder planiert oder gelockert werden und wenn er sich setzt (so wie es an ein paar Stellen sogar schon der Fall ist), dann wird er perfekt.
Im Nachhinein bin ich richtig stolz, dass ich sagen kann, mein Reitplatz ist 100% handmade.

62t Grubensand 
Der Platz ist voll versandet
Fazit zur Bauweise
Auch wenn wir notgedrungenermaßen eine eher unkonventionelle Bauweise wählen mussten, hat sich nach fast einem Jahr heraus gestellt, dass der improvisierte Unterbau mit dem Stein-Mutterboden-Gemisch die perfekte Wahl war und auch der zu Beginn angezweifelte Grubensand hat sich bewährt. Die Größe des Platzes ist mit 15m x 20m nicht üblich. Für unsere Ponybande ist das aber sehr gut geeignet und von Freiarbeit, über Longieren bis Reiten in allen Gangarten funktioniert er für uns super.

Gerade in diesem besonders nassen Winter war der Reitplatz oft der einzig trockene Fleck Land im Umkreis von 50km.
In 1,5 Jahren haben wir es geschafft nachhaltig, artgerecht und ohne Hilfsmittel ein zu Hause für Mensch und Tier zu schaffen. Die Trainingsmöglichkeiten haben sich verbessert und ausgeklügelte Systeme bewährt. Rückblickend kann ich sagen, dass jedes bauliche Abenteuer letztlich aufgegangen ist und wir gelernt haben mit unserem schwierigen Boden umzugehen. Die Standardbauweisen aus dem Internet waren weder möglich, noch nötig und trotzdem haben wir etwas erschaffen, das im Alltag super funktioniert.


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