Wir Menschen gehen regelmäßig zum Zahnarzt, aber viele meiner Kunden wissen oft nicht, dass auch Pferde zu einem Zahnarzt gehen müssen!
Sie sollen dabei nicht nur 1x in ihrem Leben, sondern mindestens 1x pro Jahr beim Pferdezahnarzt vorstellt werden.
Ende Februar 2020 war es bei uns nach 2 Jahren wieder mal so weit. Toffy und Muffin hatten in 2019 keine Zahnarztkontrolle, da ich sie im Prozess des Gesundwerdens nach den Stalldramen zuvor nicht zu sehr stören wollte. Bei ihnen war trotz der ausgesetzten Behandlungen soweit alles ok. Es war lediglich etwas Routinefeilen nötig. Sie wurden aber vor der Pause regelmäßig kontrolliert, weshalb die Zähne natürlich auch mal so eine Zwangspause besser überstehen.
Bei Taki, der mit seinen 6 Jahren noch nie eine Zahnarztbehandlung hatte, war eine regelrechte Katastrophe vorhanden, aber dazu später mehr.
Wie funktioniert denn so ein Pferdezahnarztbesuch?

Zu uns kommt unsere reguläre Tierärztin Dr. Laura Oberlin, die uns auch in Krankheitsfälle betreut. Sie ist sehr gut ausgebildet und bildet sich regelmäßig im Zahnbereich weiter. Sie hat eine bomben Ausrüstung und super tolles Zubehör. Es gibt aber auch andere Anbieter, die sich nur auf die Dentalbehandlungen bei Pferden spezialisiert haben.
Mir persönlich ist wichtig, dass jemand kommt, der uns kennt und der wirklich gut ist.
Die Pferde werden vor der Behandlung sediert und bekommen ein Maulgatter angelegt. In einer speziellen Halterung kann der Kopf des Pferdes aufgehängt werden. Der Tierarzt beginnt dann die Zähne mit seiner elektrischen Raspel zu feilen und arbeitet teilweise von Hand weiter.

Mit einer Stirnlampe leuchtet der Tierarzt in das offene Pferdemaul. Er erkennt so genau, wo sich Haken bilden, wo ein Zahn hinter den anderen wächst, oder ob Zähne anderweitig angegriffen sind und korrigiert die Fehlstellungen.
Was war nun bei Taki los?
Taki hatte ein sehr schlimmes Gebiss, weshalb ich auf seine Behandlung genauer eingehen möchte. Er wurde beim Vorbesitzer nie dem Zahnarzt vorgestellt und ich rechnete mit einigen Baustellen, aber dass es dann so schlimm war, hätte auch ich nicht erwartet.

Er hatte so schräg abgenutzte Zähne, dass er überhaupt keine mahlende Kieferbewegung mehr machen konnte. Es war keine Auflage der Zähne mehr vorhanden und es hatten sich furchtbare Haken gebildet, die tief in die weiche Backeschleimhaut schnitten. Beim Kauen verkanteten sich die schrägen Kauflächen und blockierten die kreisende Kieferbewegung, weshalb er im Kiefer, im Zungenbein und im Genick auch nie locker gelaufen ist. Alles war natürlich wegen der Zähne total verspannt.

Die Tierärztin sagte uns, dass es kurz vor knapp war und dass einige Zähne kurz davor waren in den Kopf zu wachsen, anstatt heraus. Die unteren Kauflächen waren genau so schräg abgekaut und es ist ein Wunder, dass Taki überhaupt noch irgendwas mit dieser Minifläche die aufeinanderstand klein bekommen hat.
Außerdem muss er tierische Kopfschmerzen wegen der Zähne gehabt haben. Das ist natürlich eine miserable Ausgangssituation, um ein Pferd anzureiten und ich bin froh, dass wir den Termin jetzt gemacht haben. Zum Glück haben wir in letzter Zeit nur das Aufsteigen geübt und longiert bzw. ausschließlich ohne Zügelkontakt zum Gebiss gearbeitet.
Ich möchte gar nicht wissen, wie unglaublich weh es Taki getan hätte, wenn ich ihn direkt durchs Genick etc. gearbeitet hätte!

Nach dem Feilen werden die Pferde noch angebunden etwas stehen gelassen, damit sie nicht gleich wieder fressen und sich noch ganz benommen ggf. auf die Zunge beißen oder verschlucken.
Während Taki und Muffin die Sedierung ausschliefen, kam Toffy dran. Er bekommt lediglich das Maulgatter an und wird ohne Sedierung geraspelt. Das ist aber eine absolute Seltenheit und geht nur, da er wirklich super brav ist.

Er hat weder vor dem Geräusch des Raspelgeräts Angst, noch reagiert er blöd, wenn man ihm damit in den Mund oder an die Zähne geht.
Toffy wird nur ohne Sedierung gefeilt, da er hochgradig allergisch auf das Sedierungsmittel reagiert. Üblich ist das absolut nicht und das Pferd muss wirklich 1A brav sein!
Nachdem alle Pferde behandelt waren, mussten die zwei sedierten Ponys noch ihren Rausch ausschlafen. Eine Stunde später konnten sie aber wieder frei im Paddock umher streifen und auch wieder fressen.

Die Tierärztin hatte es angekündigt und es ist wirklich so. Taki kaut gerade wie ein mümmeltes Kaninchen und muss erst lernen, wie er den Kiefer wieder richtig nutzt. Sobald wir wieder ein Gebiss nutzen können, werden wir die Bewegung mit Abkauübungen fördern.
Ich bin schon echt sehr gespannt, ob er nun leichter nach gibt im Genick, weniger gestresst beim Reiten ist und auch mehr kaut.
Es muss wirklich die Hölle für ihn gewesen sein mit solchen Zähnen zu fressen bzw. zu arbeiten. Die letzten Male hab ich das bei der Arbeit deutlich gemerkt und die Gebisszügel wirklich nicht mehr angefasst. Immer wenn ich nämlich etwas am Gebisszügel gewirkt habe, machte er den Kiefer fest und wurde hektisch. Ein deutliches Zeichen!
Wie geht es jetzt weiter?
4 Tage soll Taki nun kein Gebiss ins Maul nehmen. Die andern zwei Ponys können ganz normal alles machen. In einem Jahr wird der Tierarzt wieder zum Feilen kommen. Für Taki kommt in 6 Monaten die nächste Behandlung, damit seine Zähne auf eine gute Basis gebracht werden. Man konnte dieses Mal in der Behandlung nämlich nicht alles auf einmal machen. Das wäre zu viel für ihn gewesen.
Ich freue mich darüber, dass es meinem Jungpferd nun auch gut geht und bin richtig froh, dass unsere Tierärztin das alles immer so toll macht!
Bitte lasst Eure Pferde 1x jährlich überprüfen!
Wie ihr seht, kann auch ein Jungpferd schwere Schäden davon tragen, wenn man die Zähne nicht im Blick hat. Reiterliche Problematiken ergeben sich oft aus dem schlechten Gebiss und die Pferde ticken urplötzlich aus. Es kann passieren, dass Zähne hinter andere Zähne rutschen und dass ein Zahn in den Knochen hineinwächst und dort für Druck und Empfindlichkeiten sorgt.
Die Pferde leiden extrem oder verwerten das Futter nicht mehr richtig, weil sie es mit den maroden Kauflächen nicht richtig aufschließen können. Bei älteren Pferden kommen noch andere Zahnerkrankungen hinzu und es ist einfach dringend nötig sein Pferd überprüfen zu lassen!
Es ist nämlich doch so: „Einem Gaul schaut man ins Maul!“.
