Mit eigener Kompetenz und Selbstvertrauen auf Sattelsuche!

Wir kennen es alle. Das Pferd ist gesund, die Sonne lacht und der Reitplatz ist gerade komplett leer. Perfekte Zeit, um mit dem Pferd die neuen Lektionen zu üben – wäre da nicht der unpassende Sattel, der dem Vierbeiner gerade auf die Schulter drückt.

Ein passender Sattel ist oft schwer zu finden.

Ein weiser Mentor sagte einmal zu mir: „Wenn du ein Pferd besitzt, dann musst du Bereiter, Tierarzt, Sattler und Schmied in einem sein!“. Damit hatte der liebe Herr nicht Unrecht. Wenn man sein Pferd gesund erhalten möchte, muss man in all den Fachbereichen (es gibt noch mehr, als die 4 aufgezählten) eine gewisse Allgemeinkompetenz aufbauen.

Heute wird die Welt von denen regiert, die sich gut verkaufen können. Es geht nicht um Können, sondern nur darum den Anschein von Allwissenheit zu erwecken. Das führt gerade im Reitsport ungemein oft dazu, dass der Amateur vom vermeintlichen Profi Empfehlungen und Diagnosen erhält, die absolut unqualifiziert sind.

Oft wird nur auf einen zertifizierten Ausbildungsnachweis geachtet, ohne die real vorliegende Kompetenzen zu betrachten.

Hier möchte ich kurz erwähnen, was für mich „qualifiziert“ bedeutet. Qualifiziert ist, wenn:

  • man mit dem Pferd in jeder Situation ein harmonisches Bild abgibt
  • das Pferd ein Problem hat, dieses über einen nachvollziehbaren, logischen Kleinststufenplan gelöst wird
  • in einer unvorhergesehene Situation, ruhig und gelassen, ohne hysterisch oder panisch zu werden, reagiert wird
  • ein Weg nicht funktioniert, zig andere mögliche Herangehensweisen parat stehen
  • Gewalt und Angst Fremdwörter sind
  • der „Profi“ in vielen Bereichen Erfahrungen nachweisen kann
  • ein Zertifikat hinter Glas nicht die einzige Kompetenz ist
  • ein natürliches Gespür für Lebewesen vorhanden ist

Das Problem mit der Ausbildung.

Leider habe ich es nun schon selbst sehr häufig erlebt, dass ein zertifizierter Sattler zu uns kam, mir erzählen wollte, dass der Himmel grün ist, viel Geld verlangte und weg fuhr, ohne dass der Sattel passend, ruhig, am Platz, im Pferd lag.

Das noch so schönste gerahmte Zertifikat der Markensattlerei bringt uns Endverbrauchern nichts, wenn der Mensch der es besitzt, das Gelernte nie verstanden hat, oder wenn ihm das Gefühl für die Materie fehlt.

Kompetenz bekommt man nicht durch ein Papier.

Genau so ist es bei Schmieden, Hufbearbeitern und Reitlehrern. Die beste Ausbildung kann nichts daran ändern, wenn die ausübende Kraft nicht realisieren kann, was gelehrt wurde. Für uns Endverbraucher bedeutet das leider, dass wir uns auf das greifbarste und eigentlich eindeutigste Qualitätsmerkmal nicht verlassen können.

Wir tragen die Verantwortung dafür, was mit unserem Tier passiert.

Nun ist es aber so, dass unsere Haustiere auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen sind, dass wir als ihre Besitzer die richtige Wahl treffen. Bei mir hat es Jahre gedauert, bis ich keine Angst mehr davor hatte, Entscheidungen zu treffen, ohne eventuell einen Scharlatan an mein Pferd zu lassen.

Wichtig ist, dass man immer an den Satz meines Mentors denkt. Möchte ich dass mir ein wahrer Profi in den Fachbereichen zur Seite steht, muss ich selbst gewisse Grundkenntnisse erlangen, um überhaupt beurteilen zu können, ob der „Profi“ ein Profi ist.

Woher bekomme ich Infos, wenn auf die Profis doch kein Verlass ist?

Zunächst einmal sollte man sich qualitativ hochwertige Quellen suchen. Es gibt diverse Bücher zu allen Themen der Reiterei. Ein Buch bringt immer eine gewisse Grundkompetenz mit sich, das alleine ist aber auch noch kein Qualitätsmerkmal. Bücher sind dennoch schon mal ein guter Anfang.

Ich empfehle folgende Autoren für bestimmte Bereiche:

  • Dr. Robert Stodulka (med. Sattellehre)
  • Ted S Stashak (Hufbearbeitung/Lahmheiten)
  • Philippe Karl (klassische Pferdeausbildung)
  • Bent Branderup (barocke Reitkunst)
  • Sonja Weber (Versammlung)
  • Babette Teschen (richtig Longieren)
  • Karin Kattwinkel (Biomechanik)
  • Bei Pferdekrankheiten empfiehlt sich ein simpler Ratgeber von Kosmos. Detaillierte Krankheitsinfos sind auf Grund der schnellen Forschung und Entwicklung einfacher im Internet einzuholen, aber Obacht bei der Quellenwahl!

Basics der Sattelkunde

Damit man zumindest oberflächlich in der Lage ist zu beurteilen, ob ein Sattel passt, gibt es ein paar Basics der Sattelkunde, die ich Euch heute vorstellen möchte.

Das Exterieur des Pferdes beachten

Man muss den Körper seines Pferdes kennen.

Damit man herausfinden kann, ob der Sattel passt, muss man sich etwas mit dem Exterieur seines Pferdes beschäftigen. Für eine Sattelbeurteilung sind folgende Körperbereiche besonders wichtig:

  • Widerrist (blau)
  • Schulter (orange)
  • Rückenverlauf (lila)
  • letzter Rippenbogen (gelb)
  • Ellbogen (grün)
  • Gurtlage (rot)
elementare Körperteile am Pferd

Widerrist

Der Widerrist ist ein Punkt am Pferd, der sehr individuell gebaut sein kann. Es gibt hohe, mittlere und flache Widerriste, die steil oder flach in den Rücken hinein verlaufen können.

Hoher Widerrist

Ein Hoher Rist benötigt immer etwas mehr Platz in der Sattelkammer, weshalb es sich anbietet einen Sattel mit Zurückgeschnittener Kammer zu holen. Oft sind Pferde mit hohem Rist sehr schmal gebaut, es gibt aber auch breite Vertreter.

Mittlerer Widerrist

Ein gut geformter Rist (wie auf dem Beispielbild) bei dem der Sattel gut zum liegen kommt. Meistens gibt es bei so einem Rist keine Probleme an der Kammer

Flacher Widerrist

Ein flacher Rist bringt meistens das Problem mit sich, dass der Sattel keinen Halt findet und über die Schulter auf den Hals rutscht. Ein Mondgurt kann hier den Sattel am Platz halten. Hier ist es wichtig über eine optimale Polsterung und eine geringere Auflagelänge des Sattels zu arbeiten. Bitte seht ab von Schweifriemen, die an der Wirbelsäule rupfen.

Sattelweite

Bei einem Sattel muss man immer prüfen, ob das Kopfeisen in der Sattelkammer zu eng oder zu weit ist. Man fährt hierfür unter dem Sattel mit der flachen Hand vom Rist aus nach unten Richtung Gurt. Gleitet die Hand überall flüssig hindurch, passt der Sattel in der Weite.

Bleibt die flache Hand stecken, ist der Sattel zu eng. Der Trapezmuskel wird folglich gequetscht und degeneriert. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Ist der Sattel zu weit, rutscht er beim Reiten wahrscheinlich nach vorne.

Schulter

Die Schulter des Pferdes bewegt sich beim Gehen nach vorne und hinten. Der Sattel darf nicht an der Schulter, oder darauf zum Liegen kommen. Mindestens zwei Finger breit hinter dem Schultergelenk sollte der Sattel liegen, besser eine Hand breit. VS- oder Springsättel liegen ebenfalls mit dem Polster hinter der Schulter an. Lediglich das Sattelblatt ist vorgeschnitten und liegt auf der freibeweglichen Schulter.

Ist die Schulter nicht frei, schmeißen die Pferde sich auf die Vorhand und beginnen nicht mehr den Unterarm richtig frei nach vorne zu heben. Es entstehen „Tippelschritte“

Rückenverlauf

Beim Rückenverlauf muss man sich genau den Schwung des Rückens ansehen. Hat das Pferd einen Senkrücken liegt hier viel Schwung vor. Auf dem Beispielbild ist ein Rücken mit leichtem Schwung zu sehen. Es gibt auch sehr gerade Rücken.

Der Sattelbaum muss den gleichen Schwung aufweisen, wie der Pferderücken. Das kann man sehen lernen, oder man fühlt es am Sattel. Einfach den Sattel ohne Unterlage auf den Rücken legen und mit der Hand unter das Sattelblatt greifen. Jetzt am Pferdebauch entlang bis nach oben zur Wirbelsäule fahren. Liegen die Kissen des Sattels überall Plan am Pferd an, passt es recht gut. Entstehen Hohlräume, so genannte Brücken, passt der Sattelschwung nicht, oder die Polsterung ist miserabel.

Die letzte Rippe

Der letzte Rippenbogen ist ein weiterer wichtiger Messpunkt für den Sattel. Man kann ihn mit den Fingern sehr gut ertasten und fährt entlang des Knochens nach oben Richtung Wirbelsäule des Pferdes. Kurz vor der Wirbelsäule muss man Bedenken, dass die Dornfortsätze gerade verlaufen und diese dementsprechend ertasten.

Der letzte Rippenbogen gibt am Verbindungspunkt der Wirbelsäule die maximale Auflagefläche des Sattels an. Genau messen kann man diese nun, indem man den möglichen Vordersten Punkt (1 Hand breit hinter der Schulter), mit dem möglichst weit hinten liegenden Punkt verbindet und ausmisst.

Der Ellbogen

Den Ellbogen des Pferdes sollte man nicht außer Acht lassen. Er kann im schlimmsten Fall an die Schnallen eines zu kurzen Gutes stoßen, was schmerzhaft für das Pferd ist. Deshalb sollte man seinen Gurt auch immer lang genug wählen.

Die Gurtlage

Die Gurtlage wird vom tiefsten Punkt im Rücken, zum tiefsten Punkt des Brustkorbs (kurz hinter dem Vorderbein) gemessen. Ein gutes Pferd weißt eine gerade Gurtlage auf. Ein weniger gutes Pferd hat einen nach vorne oder hinten schräg verlaufende Gurtlage.

Bei solchen Pferden zieht sich der Sattelgurt schief und die Gewichtsverteilung vom eigentlich gut passenden Sattel wird verfälscht. Hier muss man mit den Gurtstrupfen spielen und gucken, welche der drei Strupfen es zulässt, dass der Gurt gerade liegt.

Alternativ gibt es auch V-Gurtungen, die die schlechte Gurtlage ausgleichen.

Wie prüfe ich nun, ob mein Sattel passt?

Auf dem folgenden Bild seht ihr einen gut passender Sattel mit Platz am Rist, einer Lage hinter der Schulter, einem Schwung der zum Rücken passt (nicht ganz gut eingezeichnet), der nicht zu lang für das Pferd ist und dessen Gurtschnallen nicht den Ellbogen touchieren. Die nicht so gute Gurtlage wird von den langen Gurtstrippen sehr gut ausgeglichen und Sattelgurt und Gurtstrippen verlaufen fast gerade.

Ein guter Sattel.

Natürlich ist die Beurteilung eines Sattels anhand eines Bildes nicht sehr genau. Besser ist es vor Ort das Pferd und den Sattel antasten zu können und die Körperformen und Engstellen oder Hohlräume erfühlen zu können. Dazu kommt, dass man den Futterzustand beachtenund die Rippenbogenform mit einbeziehen muss. Dazu aber wann anders mehr.

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