Ihr erinnert Euch sicher noch an den Paddockbau und den Stallbau. In den jeweiligen Blogbeiträgen habe ich Euch viele Bilder gezeigt, wie wir aus dem Nichts, ein kleines Ponyhofparadies geschaffen haben.
Das Paddock erstrahlte in vollem Glanz und der weiße, gewaschene Rheinsand Körnung 0-2, ließ Urlaubsfeeling aufkommen. Selbst nachdem die Pferde schon Monate auf dem Paddock gelebt hatten und als dann der Stall aufgebaut wurde, war der Paddock noch einladend und absolut in Takt.

Paddockbau 
Stallaufbau
Starke Regengüsse, extreme Trockenheit, kleine Ferkelhengste, die Äppelhaufen zerstören, all dies hatte dem Paddock mit den Ridcon Platten als Basis nichts anhaben können. Knapp 1,5 Jahre nach Fertigstellung und Ponyeinzug, hatte man durch das tägliche Abäppeln, rein und raus Laufen und die Witterung, kaum noch Sand als Tretschicht auf dem Paddock.
An sich war das nicht schlimm, da die Ridcon Platten keine Tretschicht benötigen und auch absolut nicht rutschig mit Eisen werden, wenn besagte Tretschicht fehlt. Ich hätte also durchaus einfach die Tretschicht weg lassen können und alles wäre gut gewesen.
Wäre da nicht dieser Perfektionismus!
„Never change a running system!“, heißt es schon. Aber da ich es nach den ganzen schlechten Jahren im Einstellverhältnis einfach perfekt für die Pferde haben wollte, bestellte ich beim Reitplatzbau einfach etwas mehr Sand mit. Dieser sollte dann auf dem Paddock wieder eine ca. 5-7cm hohe Tretschicht bilden und die Ponys hätten sich wieder im Sand wälzen können.
Gesagt, getan! Der Plan war, ca 5t des bestellten Grubensandes Körnung 0-5 auf den 102m² Paddockplatten zu verteilen. Aus geplanten 5t wurden dann jedoch 7t, weil wir noch etwas Sand vom Reitplatz übrig hatten.

Zunächst verlief alles super. Die Pferde wälzten sich gerne auf dem Sand und schliefen auch mal darin. Auch die ersten paar Regentage hielt das Paddock gut aus. Das Wasser lief ab und die Drainage funktionierte.

Leider begann dann die Katastrophe. Es regnete fast einen ganzen Monat ohne Pause. Mal nur leicht, dann wieder literweise. Es war furchtbar. Abgesehen davon, dass ich mit den Pferden nichts machen konnte, weil wirklich ALLES nass war, flutete das Wasser den Paddock mehr und mehr.
Nasser Sand ist ja nun erst mal nichts Schlimmes denkt man sich jetzt. Der Sand trocknet ja auch wieder recht schnell, aber ich hatte einen großen Fehler begangen.
Die böse Überraschung!
Ich hatte es bei der Sandbestellung vermutet. Im Vorfeld hatte ich noch nachgeforscht und Infos gesucht, aber ich wollte ja unbedingt sofort Sand haben.
Grubensand ist ein ungewaschener Sand. Er wird auch als Mauersand oder Bausand bezeichnet. Der Grubensand wird abgegraben, vielleicht gerade noch 1x gesiebt, um die gewünschte Körnung zu erreichen und geht zum Verbraucher. Es handelt sich um in der Natur vorkommenden Sand, mit runden und eckigen Sandkörnen und einem Lehmanteil. Es finden sich außerdem organische Bestandteile wie zersetze Blätter, oder Hölzer wieder, da diese nicht ausgewaschen wurden.
Dieser Sand klebt wegen der Lehmbestandteile sehr gut und lässt sich gut verdichten für einen Sand. Für den Reitplatz war dieser Sand einfach perfekt. Er speichert das Wasser und verhindert so, dass der Sand vom Wind weggepustet wird, oder dass der Platz zu staubig wird im Sommer. Auserdem wird er stabil genug, damit die Pferde nicht immer zu tief wegsacken und setzt sich gut, ohne zu hart zu werden.

Auf dem Paddock ist es nun aber passiert, dass die ca 7t Sand eine ca 15cm tiefe Tretschicht ergaben, was dann doch wieder zu viel war. Der Nasse Sand wurde tief und weich, ähnlich wie im Watt, da der Lehmanteil mehr Wasser im Sand hält. Durch den Starkregen wurden Pferdehaufen sehr stark aufgeschwenmt und selbst wenn ich mehrfach täglich zum Misten da war, konnte ich nicht verhindern, dass sich die Äppel immer mehr mit dem Sand vermischten. Es bildeten sich riesige Pfützen auf dem normal so trockenen Paddock.
Das eigentliche Problem der Misere.
Das Hauptproblem war, dass die Pferde beim Laufen, täglich mehr Pferdeäpfel unter den Sand mischten. Die entstehende „Prabbelpampe“ wurde immer mehr und mehr, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Immer wenn ich kam versuchte ich die verbliebenen paar Pferdeäpfel abzusammeln, aber ich war gegen die zerstörerische Geschwindigkeit der Pferdehufe machtlos.
Täglich hoffte ich darauf es würde endlich aufhören zu regnen. Bei wenigstens zwei Tagen Trockenheit zwischen den Regentagen, hätte ich gar kein Problem bekommen. Es hörte und hörte aber nicht auf zu regnen. Ganze drei Monate regnete es jeden Tag pausenlos von morgens bis abends.
So einen nassen Winter habe ich noch nie erlebt!
Ich weiß, nach den zwei sehr trockenen Sommern, braucht die Natur das Wasser, aber das war einfach zu viel! Als sich der Dezember dem Ende zuwandte, hoffte ich zumindest auf Bodenfrost oder Schnee. Selbst bei gefrorenem Boden hätte ich noch mehr sauber machen können, als in dem entstehenden Moor. Mein Flehen wurde auch dieses Mal nicht vom Wettergott erhört. Es kam keine Kälte und kein Bodenfrost. Bis Mitte Januar hatte sich eine modernde 30-40cm hohe Morastschicht auf den Ridcon Platten angesammelt. Darunter trat sich die Schicht sogar schon wieder fest und es bildete sich eine Matratze. Die organischen Bestandteile im Sand begannen sich in Kombination mit den Pferdeäpfeln super schnell zu zersetzen. Überall entstanden schwarze Torfablagerungen. Das war zwar eklig, aber wegen der rasanten Zersetzung müffelte die Pampe auch nicht und es war wenigstens nicht so, dass man merkte, dass man da nur noch auf Pferdehaufen läuft.

Trotzdem! Es war einfach widerlich! Mit jedem Tag an dem es regnete, zog sich der Stressknoten in meiner Magengegend mehr zu. Jeden Tag klopfte mein Herz mehr. Es war so furchtbar zu wissen, dass man gerade machtlos ist und dass die Pferde in ihren eigenen Exkrementen standen.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto schlechter wurde mir. Die Hufe waren unentwegt nass. Ich kämpfte mit allen Mitteln gegen eine Entstehung von Strahlfäule, aber ich wusste auch nicht, wie lange ich das noch schaffen würde.
Endlich ein Lichtblick!
Nach 3 Monaten Dauerregen hörte es Anfang Februar endlich knapp fünf Tage auf zu regnen. Das Paddock konnte zwei Tage abtrocknen und die anderen drei Tage standen wir zu zweit auf dem Paddock und haben ¼ der Fläche freischaufeln können.
Nach den fünf Tagen begann es aber wieder zu regnen und ich kämpfte jeden Tag mehrmals darum die kleine freie Ecke, sauber zu halten.

Ich kratzte jeden noch so kleinen Krümel aus den Platten heraus und trotzdem, der Matsch eroberte sich zwei Wochen lange cm um cm zurück.
Selbst meine Heustation drohte den Matschmengen zum Opfer zu fallen, weshalb wir die Station im Regen freischaufelten und Betonplatten verlegten, damit man diese abfegen konnte und die kleine Stufe verhinderte, dass der Matsch sich überall breit machte.

Es geht bergauf!
Mitte Februar hörte es dann endlich auf permanent zu regnen. Die Pferde zeigten deutlich, dass es ihnen auch reichte und hielten sich nur im Stall, auf dem kleinen trockenen Paddockstück und unter der Raufe auf. In den Matsch lief keiner freiwillig. Einen ganzen Tag haben wir dann damit verbracht, das gesamte Paddock freizulegen. Der Matsch, in dem man eigentlich keinen Sand mehr erkennen konnte, wurde bis auf die blanke Ridcon Platte herunter gekratzt und wir fuhren die entstandene Komposterde auf einen Haufen abseits des Pferdebereichs.

Mehrere Stunden beobachteten wir, wie sich das restliche Wasser auf dem Paddock seinen Weg durch das verstopfte Drainagesystem der Platten suchte.
Ein großes Problem war, dass die mikroskopisch kleinen Teilchen aus dem Zersetzungsprozess des Matsches die Drainage des in den Platten verfüllten Schotters verstopft hatten.
Regen wo bist du?
Jetzt wo die Paddockplatten wieder frei gelegt waren, brauchten wir Regen. Viel Regen, der die kleinen Partikel aus dem Schotter schwemmen würde und das Drainagesystem säubert.
Aber es wäre ja nicht der Winter 2019/2020 gewesen, wenn wir jetzt ausgerechnet Regen bekommen würden. Sturmtief Sabine fegte über Deutschland hinweg, verwüstete überall mit starken Orkanen und Gewittern das Land, aber bei uns war strahlender Sonnenschein und etwas windiger als sonst.
Keine 10km weiter im Nachbarort ging das heftigste Starkregengewitter herunter, das ich jemals erlebt habe, bei uns trocken!
Irgendwann entschied sich der Himmel dann doch noch dafür zwei Tage lang ein kleines bisschen Regen auf uns fallen zu lassen. In den folgenden Tagen war es recht warm und es regnete nur sporadisch. Das Paddock trocknete immer besser ab und sah am Ende wieder richtig ordentlich aus.

Was passiert zuküntig?
Ich bin einfach nur sehr erleichtert, dass wir das Paddock retten konnten. Die Zeit wird alles richten und ich für meinen Teil habe meine Lektion gelernt.

Nie wieder werde ich Grubensand auf ein Paddock fahren. Das Einzige, was ich mir im Laufe des Jahres noch mal gönnen werde, ist ein BigBag gewaschener Rheinsand als niedrige Tretschicht auf den Platten und vorm Winter werde ich auch nicht nochmal neuen Sand verfüllen! Das Paddock dient als Rückzugsregion für Schlechtwetterperioden und muss trocken bleiben. Der Trail wird schon matschig genug mit dem Naturboden.
Grubensand verbindet sich einfach zu schnell mit den Pferdeäppeln. Auf dem Reitplatz ist das kein Problem. Dort äppelt man ja immer direkt gründlich ab, aber auf einem Paddock geht dieser Sand gar nicht! Auf dem Paddock darf nur gewaschener Sand verwendet werden!!!
