Im folgenden Blogbeitrag möchte ich ganz ausführlich den Stallbau, genauer den Paddockbau, bei uns daheim beschreiben. Zwei Jahre ist es bald her, dass wir 2018 das Grundstück erworben haben. Ein Nutzwasseranschluss war anliegend, aber nicht angeschlossen und die traumhaft idyllischen Obstbäume ließen unsere Herzen höher schlagen.

Das Grundstück war grün und wirkte fast schon etwas mystisch. Obwohl es einer der heißesten und trockensten Sommer seit Jahren war, sprießte das saftige Gras und im Schatten der großen Obstbäume fanden im feuchten Moos allerlei Krabbeltierchen Schutz vor der Hitze.

Da das Grundstück 5 Minuten von zu Hause weg war, war es mir dennoch besonders wichtig, die gesamte Fläche einzuzäunen. Zum Einen liefen fremde Personen einfach durch das Stück hindurch und weitsichtig betrachtet, wäre es mir zu gefährlich die Pferde hier zu halten, ohne dass ein Außenzaun da ist. Auch wenn ich persönlich aus mehreren Gründen kein „Zaunfreund“ bin, war das der einzig richtige erste Schritt in Richtung eigener Stall.


Als nächstes habe ich mit Zaunlitze und Stickeln ein Paddock abgesteckt. So konnte ich mir am Besten vorstellen, wo später der Stall hinkommen sollte. Ich wollte möglichst wenig in die Natur eingreifen und keine Bäume wegen irgendwelcher Gebäudepläne fällen müssen. Mehrfach baute ich wieder alles ab, baute alles an einem anderen Ort wieder auf und verwarf doch wieder alles. Am Ende fand ich dann den perfekten Platz, an dem sich Paddock, Heulager und Stall wie ein Puzzleteil in die Natur einfügten.

Die Basis für meinen Traum – Der Unterbau des Paddocks
Da ich sowieso kein Freund von Umweltzerstörung bin und wir für eine Betonplatte oder dergleichen keine Baugenehmigung erhalten hätten, entschied ich mich für eine leicht rückbaubare Variante der Paddockbefestigung. Außerdem war es wichtig die Vermischung der Böden zu verhindern, da das eine Auflage der Baubehörde war. Ich wusste von Platten, die bei uns zur Zeit von der Gemeinde gerne verwendet werden, um allerlei absackende Feldwege, Parkplätze oder Gewässer und Hänge zu befestigen, beziehungsweise mit einem Drainagesystem zu versehen und begann nachzuforschen.
Es war klar, dass ich bei uns auf solche Platten bauen würde und müsste. Wichtig war ergo, dass man die Platten einfach in den Matsch, oder auf den knochenharten Lehmboden verlegen kann. Eine Schädigung der Grasnarbe wollte ich vermeiden, da unser Lehmboden auch so schon extrem schnell tief und rutschig wird und das Wurzelwerk zunächst etwas Halt gibt. Eine Abgrabung und Aufschüttung mit Schotter – à la professioneller Unterbau – war untersagt worden. Gibt es wirklich eine Lösung für diese ganzen „Bodenprobleme“?
Tagelang habe ich das Internet gequält und versucht Erfahrungsberichte von ähnlich Geplagten zu finden. Es scheint allerdings so, als lebe ich ausgerechnet in der nassesten, lehmigsten, flachsten Region Deutschlands und alle bekannten Lösungen waren entweder untersagt, oder funktionierten auf unserem Boden laut Erfahrungsberichten nicht.
Wir haben hier bis auf 2m Tiefe, rotbraunen absolut stein- und sandfreien Lehmboden. Wir leben in der Ebene und der einzige Berg steht in unserem Rücken. Wir bauen genau zwischen besagtem Berg und einem großen und nahe liegenden Fluss und wenn es regnet, dann fließt das Wasser vom Berg in die Ebene und spült uns regelrecht mit in Richtung Fluss.
Ich fragte mehrere Bauunternehmen in der Region an und holte mir Tips ein. Außerdem nahm ich zu unterschiedlichen Bodenplattenherstellern Kontakt auf und schilderte ebenfalls mein Problem.
Mehrere Angebote wurden mir unterbreitet, dennoch empfahlen mir alle Unternehmen wehement einen Unterbau auszuheben.
„Danke für’s Gespräch! Ich darf nun mal keinen Unterbau anlegen!“
Vollkommen verzweifelt und mehr als ein Mal saß ich mit Tränen in den Augen da. Da hatte ich endlich ein Grundstück vor der Haustür, durfte gewisse bauliche Maßnahmen vornehmen und niemand konnte mir mit dem schweren Lehmboden weiterhelfen.
Dann kam aber doch noch eine E-Mail, die mich aufatmen ließ. Das Unternehmen Ridcon schrieb mir zurück und unterbreitete mir ein Angebot für die Ridcon Spider Grid40 Platten. Man sagte mir zwar auch, dass ein Vlies und ein Unterbau sicherlich besser seien, dass die Platten aber schon mehrfach bei Kunden in den Matsch „geschmissen“ wurden und das Drainagesystem deutlich verbessert und das Durchwühlen des Bodens ohne ein Absacken der Platten gelungen war.
Eine Spedition lieferte ein paar Tage später die Ridcon Platten und ich konnte direkt mit dem Verlegen beginnen. Ich hatte ja gesagt bekommen, die Platten seien leicht, aber sie waren wirklich easy zu verlegen. 102m² verlegte ich insgesamt in unter einer Stunde. Man merkte natürlich gleich, dass der Boden untendrunter uneben war und dass an ein paar Stellen Hügel und an anderen Täler waren, aber es war mir von vorneherein nicht wichtig ein perfekt gerades Paddock zu kreieren.
Ich wollte lediglich vermeiden, dass die Pferde im Winter im bauchtiefen Schlamm versinken und ausrutschen. Als alle Platten lagen, bin ich noch mal mit der kleinen Rüttelplatte meines Vaters über das ganze Bauwerk drüber. Die Hügel blieben, aber die Platten verbanden sich alle nochmal besser miteinander.
Mittlerweile sehe ich die „Hügelpiste“ sogar als positiv an. Die Pferde laufen eher wie auf natürlichem Boden und gerade Toffy hat deshalb viel weniger Probleme mit seinem Rücken.


Da ich das Paddock als „Aufbau“ gestaltete, musste ich mir noch etwas einfallen lassen, wie ich den Sand an Ort und Stelle halte und er nicht einfach am Rand von den Platten rutscht. Hierfür besorgte ich mir einfach Betonrandsteine. Nicht besonders hübsch, aber sie erfüllen ihren Zweck und ich konnte etwas Geld sparen.


Die Randsteine wurden zu 2/3 in der Erde eingegraben. An den zukünftigen Toren gab es Aussparungen.
Es folgte die Bestellung und der Aufbau vom Heulager. Hier hatte ich mich für eine mobile Anlage entschieden, da ich so flexibel war, falls das Lager doch mal im Weg ist, oder zu klein seien würde.
Das Zelt ist 6m x 3m mit einer Seitenhöhe von 2m und einer Firsthöhe von 3m. Es hat eine zusätzliche Sturmsicherung, ist schwer entflammbar und statisch geprüft. Eigentlich wollte ich hier 6x 150er Heuballen unterstellen und vorne die Pferde wie an einer Raufe fressen lassen, aber ich entschied mich dann doch dafür nur 4-5 Heuballen auf Lager zu stellen und den Ponys vorne einen Unterstand zu ermöglichen.


Hier soll der Fressstand hin 
Hier rollen die Heuballen rein
Probieren geht über studieren!
Als wäre die Planung und Umsetzung bis dato nicht schon schwierig genug gewesen, konnte ich mich einfach beim Füllmaterial nicht entscheiden. Es gab so viele Materialien, so viele Körnungen und noch mehr Meinungen.


Wie zuvor schon, sagte ich mir dann einfach, dass ich wohl meine eigenen Erfahrungen machen muss und verfüllte die Platten mir Schotter der Körnung 15-35. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut und das Drainagesystem funktioniert immer sehr gut. Als Tretschicht hatte ich mir gewaschenen Rheinsand bestellt. Auf den 102m² Fläche benötigte ich 4m³ Schotter und 6m³ Rheinsand der Körnung 0-2.
Der Fressstand wird gebaut
Damit die Pferde aus dem Heuzelt auch gut fressen konnten, ohne dass sie sich verletzen, das Zelt demolieren oder zu viel Sauerei machen, musste das Zelt natürlich noch etwas ausgebaut werden.
Auf Ebay-Kleinanzeigen fand ich zufällig eine Privatperson, die gerade ein feuerverzinktes Fressgitter in 3m Breite günstig verkaufte. Schnell hingefahren, billig abgeholt und im Zelt installiert. Das Fressgitter verleiht dem Zelt zusätzlich Stabilität und sieht sauber aus.


Ein Zaun muss her!
So langsam konnte man erahnen was wir vor hatten. Damit die Ponys aber nicht verloren gehen und sicher eingezäunt sind, musste noch ein stabiler Zaun her. Hier konnte ich wieder etwas sparen, da wir das Holz selbst im Sägewerk sägen und holten durften. Außerdem gefiel mir die Idee eines Ranchzauns und die einfache Aufmachung machte die Arbeit recht simpel.
Am Ende musste ich dann nur noch Isolatoren eindrehen und 2 Elektolitzen einziehen, damit ich bei Bedarf auch Strom anmachen kann.




Und dann war es so weit!

Eigentlich war geplant, dass die Pferde erst einziehen, wenn wir das Stallgebäude errichtet und die Wasserleitungen verlegt hatten. Allerdings mussten die Ponys dann in einer Hau-Ruck-Aktion aus ihrem Einstellverhältnis geholt werden, da der Stallbetreiber einfach aufhörte sich um sie zu kümmern. Sie wurden nicht mehr gefüttert und absichtlich ausgelassen. Das Ganze begann als ich freundlichst und fast unter Tränen kündigte, weil wir einen eigenen Stall bauten. Ich hatte mich in dem Einstellverhältnis wirklich wohl gefühlt, aber der Stallbetreiber konnte die Situation offenbar nicht verstehen und ließ es an den Pferden aus.

Nachdem wir uns das einen Monat angeguckt hatten und mehrfach abmahnten, mussten die Pferde dann in einen halb fertigen Stall einziehen. Es war nicht mehr möglich die zwei Dysbakterie-Patienten ohne Futter stehen zu lassen und Muffin zeigte bereits wieder Anzeichen für eine Kolik. An diesem Punkt war ich extrem froh, dass das Heulager nun doch ein kleines Vordach hatte und die Pferde sich unterstellen konnten.

In der ersten Zeit musste ich noch täglich mehrfach mit Wasserkanistern im Kofferraum und auf der Rückbank zu den Pferden rüber fahren, damit sie bei der Hitze genug Wasser hatten, aber alles war besser als zuvor. Insgesamt muss ich sagen, dass sich die Pferde von Anfang an sehr wohl gefühlt haben und ich den Schritt in die Selbstversorgung bis heute nicht bereue. Es war extrem viel Arbeit bis hier hin und es folgt auch noch viel mehr Arbeit, aber es ist noch heute genau so schön die Pferde glücklich zu sehen, wie damals.
Wenn ihr wissen wollt, wie es mit dem Stallbau weiter ging, dann lest den nächsten Blogbeitrag.
Bis dahin wünscht das gesamte HORSEMENTORING-Team eine ruhige und gut Zeit!
Alles fertig!

