Gedanken zum Nachwuchspony – warum es manchmal viel komplexer ist, als man zunächst erwartet.


Sergeant Dotaki


Ja, es ist mal wieder Zeit die neuen Erfahrungen, die ich mit meinem kleinen roten Bär sammeln konnte mitzuteilen. Es wird mal wieder lang, aber auch spannend!

Vorgestern war es mal wieder so weit, dass ich nach der langen Winterpause das zuvor Erarbeitete abgefragt habe. Dabei hatte ich mit einem kleinen Macho an der Longe und unterm Popo gerechnet. Total irre wie ich bin, hab ich mich auch einfach ohne vorher abzulongieren zum Fotoshooting auf das Teufelchen gesetzt…ohne Helm und natürlich mit neuem Sattel. Ja, total unbedacht und bekloppt, aber irgendwie gehört das auch ein bisschen dazu. Es heißt ja schon: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“.

Taki war also beim zum Platz Laufen etwas kribbelig, weil gerade vorne eine Meute besoffener „Keineahnungwas“ vorbei gelaufen ist, die laut herumkrakehlten und die selbst Lisa und ich äußerst suspekt fanden.
Auf dem Platz war aber wieder alles easy und er war total brav beim Aufsteigen. Nach 2 Runden Schritt entspannte er sich auch in seiner Gruselecke und wir konnten ein paar schöne Bilder machen.

Danach hab ich abgesattelt und er hatte etwas Pause, da ich mit Toffy weiter machte. Nach seiner Pause hab ich Taki wieder geholt und etwas Handarbeit sowie Longieren gemacht, einfach um den Rücken nochmal ordentlich zu arbeiten. Das hat er auch brav gemacht, außer dass er rechts zunächst etwas blockiert war und dann anstatt mit mir zu reden erst mal voll gegen mich Gemeckert hat, was dann wieder in heftigen Tritten gegen die Gerte und Bocksprüngen endete.

Trotz langer Winterpause läuft Taki super. Lediglich ein paar Lockerungsbocksprünge hat er gebraucht.

Es gab dann einen mega Anschiss und eine Kopfnuss, weil es mit allen Vieren in die Luft flog, dabei nach mir trat und recht bedrohlich nah kam. Er stand dann da und glotzte mich echauffiert an. Tja…nix da Jungspund!

Danach konnte man nett kommunizieren und plötzlich freundlich mitteilen, dass es wo zwickt und ich hatte die Möglichkeit mit ihm Übungen zu machen, die ihm halfen.

AHAAAA…siehe da tut gar nicht weh!

Ich erinnere mich, dass ich als Taki neu zu uns kam, mit allem gerechnet hatte. Schließlich hatte ich mir ein Sportteil gekauft und schon beim Aussteigen aus dem Hänger hab ich alle erdenklichen Dinge vorher abgesichert und geplant, die passieren konnten. Von „aus dem Hänger schießen“, über „mich zu den anderen Pferden ziehen“, bis hin zu er „rastet im Hänger aus“ hab ich alles bedacht und einen Plan dafür gehabt.

ABER WAS WAR? Das knallige Sportteil stand im Anhänger und zitterte so sehr, dass es sich nicht mehr bewegen konnte und stand da im Hänger und kam nicht mehr raus 😳. Lisa und ich standen da und waren zunächst total perplex. Wir hatten mit so viel Explosionen gerechnet, aber doch nicht damit! Ergo erst mal Leckerli holen und Pony beruhigen. Dann mit der Gerte versuchen das Pony rückwärts zu schicken…klappte nicht…kannte er nicht.

Das Ende vom Lied war, dass ich mich mit aller Kraft gegen die Brust des schmächtigen Sporteils Stämmen musste und ihn regelrecht aus dem Hänger schob. Mit sehr viel Kraft, aber erstaunlich ruhig 😅. Lisa stand an der Seite, rechnete mit Tritten, musst aber auch dann mit Kraft verhindern, dass das Babypferd von der Rampe fällt. Endlich draußen…kurz gewiehert und Kopf runter zum Fressen.

Bei der Vergesellschaftung hatten wir das Paddock richtig gut abgeteilt. Toffy und Muffin sollten die nächsten Tage im Heuzelt schlafen, Taki bekam den Stall. Es sollte eine langsame und gemütliche Vergesellschaftung über 1-2 Wochen werden. Aber nix da. Das Sportteil ist sozial…sie standen direkt die Nacht zu dritt zusammen. Es gab keinen Streit, Muffin hat sich direkt verliebt, Toffy ordnete sich direkt unter und Taki war super fair und passte auf Muffin auf.

Das war dann der nächste Punkt, der Lisa und mich total perplex machte 😅🤣

Ja und dann im Training…mhmmm da war der Herr nicht ganz so einfach. Er kannte nix, das was er kannte, das wollte er nicht und das was er wollte, das bekam er plötzlich nicht einfach so 😅. Dumm gelaufen kleiner Flegel!

Schon beim Probearbeiten und Ankommen hat man ja gemerkt, dass der Kleine Defizite hat. Er wusste einfach noch gar nicht wie der Mensch mit ihm redet und was die Hilfen bedeuten. Ergo haben wir erst mal Führtraining gemacht. Dazu nutzen wir das Flatterband z.B. und ich übte ihn auch am langen Strick durch das Gruselding durchzumanövrieren. Das dauerte nur ca. 1 Woche, dann wusste der Herr, was das Strickschlenkern, oder die wischende Gerte heißt und wir widmeten uns dem ungleichmäßigen Gangbild der Hinterbeine. Links fußte das Hinterbein einfach kürzer, als rechts. Dem nahm ich mich natürlich direkt an und wir übten Kruppe herein, oder Schulter vor und Weichen vor der Gerte. Somit war innerhalb von 1 Monat auch das ungleiche Gangbild um einiges besser.
Es ging dann an die Tempiunterschiede und an den Kraftaufbau. Die Intervalle der „schönen Phasen“ wurden länger und mein Bub immer runder und runder. Nur bei den Galoppeinsprüngen buckelte er noch in den Galopp hinein, da das noch ziepte im Popo.

DANN KAM DER BLÖDE WINTER.

Wir konnten nur spazieren gehen und lernten unser Feld kennen. Dabei regte sich der Bub immer sehr auf, lief aber ruhig neben mir weiter. Das irritierte mich eine ganze Weile, ich fragte mich immer, wie ein Pferd so angespannt und unerfahren sein kann, aber nicht flüchtet?! Toffy ist immer sofort weg, wenn was gruselig ist, aber er gruselt sich vor sehr wenigem. Taki gruselt sich vor allem, geht aber nicht 😅🤷🏼‍♀️.

Damit musste ich ergo erst mal lernen umzugehen. Jetzt die letzte Zeit haben wir wieder das Aufsteigen geübt, da ich dachte, dass Taki das ggf. nicht so richtig verinnerlicht hatte. Er wurde immer sehr nervös beim Aufsteigen. Vielleicht liegt das daran, dass er beim Vorbesitzer beim Aufsteigen noch festgehalten wurde. Bei mir muss er aber alleine einparken an der Aufstieghilfe, er muss alleine und frei stehen bleiben, da ich gar nicht immer wen zum helfen habe.

Das war jetzt besonders schwer für ihn diese Ruhe zu lernen, aber es hat gefruchtet und funktioniert.
Sowieso ist er bei allem was er gewohnt ist, ganz schnell ein Profi, aber alles was neu ist, das ist erst mal blöd.

Boha das nervt mich dann selbst immer total an, wenn der Esel mal wieder meint jetzt gegen mich gehen zu müssen, nur weil wir ganz vorsichtig mal etwas Neues versuchen!

Tja…ändert nix wütend zu werden und grob zu reagieren. Da müssen wir durch und zumeist braucht der Macho immer nur eine energische, ABER FAIRE Erinnerung an seine Manieren, dann macht er wieder gut mit.

Nun zu meinem eigentlichen Punkt. Am Anfang hatte ich Angst, ich könnte einem Sportteil nicht gerecht werden. Tägliche Arbeit ist nicht immer möglich bei mir, aber so ein Sportpferdchen hat halt Energie. Meine Haltungsform lässt es aber zu, dass Taki nicht innerhalb von 1 Woche komplett mit Energie angestaut ist. Er ist recht lange ausgeglichen. Dazu kommt sein sehr freundlicher Grundcharakter.
Taki ist eines der feinsten Pferde, die ich jemals gearbeitet habe. Toffy ist fein und will immer gefallen, aber er hat Körperdefizite, die seine Reaktionsfähigkeit verlangsamen. Taki ist gut gebaut, hat mehr Power, ist super fein, ähnlich wie Muffin und springt sofort mit, wenn man ihn darum bittet und er die Hilfe kennt. Kennt er die Hilfe aber nicht, ist er auch sehr schnell überfordert und wird grantig. Er verwehrt sich sofort, wenn er denkt man könnte ihn unfair behandeln, oder wenn er Angst vor Schmerz hat. Er muss jetzt lernen, dass Fehler ok sind und ihm nichts passiert, wenn etwas nicht gleich klappt.

Er ist ein wirklich nettes Pferd, das gerne mit macht, ABER irgendwas muss er auch erlebt haben, wo er die Erfahrung gemacht hat, dass ihm etwas weh tut, der Mensch es aber weiter getan hat. Das geht ja auch ungewollt einfach so schnell. Wenn ich ehrlich bin, tippe ich darauf, dass sein Hunters Bump irgendwie damit zusammen hängt. Vielleicht hat er sich im Stall vertreten und deshalb kam die Schwachstelle im Rücken zum Vorschein. Vielleicht hat er sich wo gestoßen, oder es ist einfach der kleine körperliche Defizit, der zu Verspannungen führte. Gewicht im Rücken, ein nicht optimal angepasster Sattel, den Jungpferde beim Einreiten oft tragen, sind dann oft doch unzumutbare Schmerzauslöser. Das ungleiche Gangbild spricht auch dafür, dass der Rücken autschte, aber er dennoch Gewicht tragen musste.

Letztlich war diese Vermutung auch ausschlaggebend dafür, dass ich das Einreiten hinten anstellte. Erst mal den Rücken und den sichtbaren Hunters Bump in Ordnung bringen, dadurch wurde auch das Gangbild gleichmäßig, dann wieder ans Anreiten gehen.

So und dann sind wir wieder in der Gegenwart angekommen. Ich saß vorgestern also auf dem Teufel drauf und stellte wieder einmal fest, wie cool er doch ist. Wie fein und sensibel er ist und wie wenig kooperativ er noch ist, wenn es um das Neue geht. Ich möchte beim Reiten also, dass er in die eine Ecke geht zum Fotos machen und einfach steht. Tolle Übung für Jungpferde, da sie nur eine Sache machen müssen. STEHEN!

Ja ok, ein bisschen vorwärts und riesige Bögen lenken gehört auch dazu, aber an sich ist ein Fotoshooting immer eine schöne Sache für ein Jungpferd um Gelerntes zu überprüfen.

Stehen bleiben kann der Bub nun schon viel besser, aber er hampelt schon manchmal noch. Ich reite dann einfach eine große Volté und parke wieder an der Lokation ein. Ohne Stress, ohne Ärger und ohne Kampf.

Aber nicht mit Taki. Der nörgelt auf der Volté erst mal rum…aus Prinzip! Manch ein Reiter oder auch Trainer würde dann sauer werden. Das Pferd schimpfen und strafen für sein Fehlverhalten. Aber warum? Er sagt doch nur, dass er das negativ Erlebte noch nicht verarbeitet hat! Er teilt mit, dass er gerade nicht weiter kann!
Trotzdem…mein Ziel ist es jetzt in der nächsten Zeit dieses „gegen mich gehen“ in Form von nach der Gerte treten, Kopfschlänkern oder Schweifschlagen umzuwandeln in andere, freundlichere Signale. Z.B. geht Taki auch rückwärts, wenn er unsicher wird. Das ist ein freundliches Zeichen. Kein nach hinten schießen, einfach ein ruhiges rückwärts Gehen. Das find ich gut. Das zeigt er jetzt immer öfter mal, anstatt einen Bocksprung zu machen, oder den Kopf rumzuschlagen. Dafür zeigt er das Rückwärts gehen echt oft, was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass er noch richtig oft unsicher ist beim Einreiten.

Ich hoffe wir können das Verhalten schnell umbauen. Gerade für das weitere Reiten ist das sehr wichtig. Am Boden steigt er ja auch noch hin und wieder mal, aber da kann man das leichter in Vorwärts umwandeln, als jetzt aus dem Sattel.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich Taki total toll finde. Er fordert mich nochmal um einiges mehr als alle Pferde zuvor. Er ist so fein, so darauf bedacht, dass ich fair bin, aber ich darf ihm auch nicht alles durch gehen lassen. Zu grob darf man aber nicht sein, wenn man ihm den richtigen Weg weißt, sonst bekommt man die Quittung.
Ich finde er ist alleine deshalb schon kein Pferd für Anfänger oder Kinder. Dazu kommt, dass er aus dem Maß ist und deshalb als Reitpony echt „unpraktisch“ ist. Für mich ist er aber perfekt!

Eigentlich sollten viel mehr Pferde so sein! Dann würden weniger Reiter grob und übers Pferd drüber reiten können. Natürlich sind solche Pferde nicht für jeden gemacht und mit Sicherheit auch erst mal nicht ganz ungefährlich, aber ich freu mich so sehr auf die Zeit, wenn Taki alles kennt, wenn er weiß wie der Hase läuft und wir ein richtiges Team geworden sind. Er wird sicher ein sehr sportlicher und mutiger Partner werden.

Ich ganz stolz und glücklich, Pony ganz stolz aber auch noch irritiert, ob das so gehört, dass Mutti da so hängt 🤣

Ich bereue es keinen Tag den kleinen Fuchs zu mir geholt zu haben und ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß mit einem Pferd. Er passt perfekt in die Herde und ergänzt das Trio so sehr. Er wird mal etwas ganz tolles, wenn wir weiter kommen 🥰. Er ist ein Sportteil mit Ponycharakter – Er ist mein Pony!

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